Harry Mulisch erhält deutsches Bundesverdienstkreuz

5. Oktober 2002, 17:41
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Amsterdam - Der niederländische Schriftsteller Harry Mulisch (75) ist am Freitag in Amsterdam mit dem deutschen Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet worden. Er erhielt den hohen Orden "wegen der Bedeutung seines literarischen Werkes für die kulturellen Beziehungen zwischen den Niederlanden und Deutschland". Der deutsche Literaturnobelpreisträger Günter Grass würdigte als Ehrengast der Feier vor allem Mulischs Roman "Das steinerne Brautbett" über die Zerstörung Dresdens als einzigartig.

Mulisch, in dessen Werk Deutschland, der Zweite Weltkrieg, Adolf Hitler und die Probleme von Schuld und Sühne eine zentrale Stellung einnehmen, habe "das verminte Gelände zweier Nachbargärten präzise kartographiert und neu vermessen", hieß es in der Laudatio. Christoph Buchwald vom kulturellen Zentrum "De Balie" in Amsterdam griff dabei den Vorschlag zu einer weiteren Ehrung für Mulisch auf. Danach könnte etwa in Berlin-Mitte, "nicht zu weit vom Führerbunker" entfernt, eine Harry-Mulisch-Straße entstehen. Auf diese Weise könne nach seinen Angaben "der Ungeist auf ewig vom Geist in Schach gehalten werden, wie Thomas Mann gesagt hätte".

Der Autor, Sohn eines österreichischen Offiziers und einer belgischen Jüdin, hat mehr als 35 Romane verfasst. Als sein wichtigstes Werk gilt "Die Entdeckung des Himmels", das die Hauptthemen seiner Arbeit zusammenfasst. "Siegfried", sein jüngstes Buch, das sich mit Hitler befasst, hätte nach seiner Ansicht von niemandem in Deutschland geschrieben werden können. "Aber welcher andere Niederländer hätte es schreiben können", meinte er in seiner Dankesrede. (APA/dpa)

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