Tanz den Diskurs

5. Oktober 2002, 22:55
2 Postings

Das österreichische Geschwisterpaar und Synth-Pop-Duo "Skizze" präsentiert seine neue CD

FM4-Charts im Radio
Ich würde nie widersprechen
Und will es nicht besser wissen
Ein neues Paradigma ...

Aus dem Tagebuch eines Musik-Redakteurs ... Dezember 2000: Nach einem Konzert der österreichischen Band Skizze, das mir wegen seiner überraschend angenehmen Atmosphäre in guter Erinnerung geblieben ist, schreibe ich eine Rezension über die damals aktuelle Skizze-CD "Imitation von Konsens" für unsere Rubrik "Lieblingsplatte der Redaktion".

Jänner 2001: knapp eineinhalb Monate später wird in der benachbarten dieStandard.at-Redaktion eine neue Mitarbeiterin vorgestellt: Ina, die Sängerin der Skizze - und schaut mich scheel an. Schluck. - Nach einer etwa zweiwöchigen, rückwirkend ziemlich komischen Phase der schiefen Seitenblicke quatscht sie mich dann aber schließlich an: "Bist du nicht der, der diese Rezension über uns geschrieben hat ...?" Ja, der war ich. So kommt man also ins Gespräch.

*

Noch ein Tagebuch-Eintrag, diesmal gänzlich undatiert, aber irgendwann aus den fernen 80ern stammend, in denen ich meine Teenager-Jahre verbracht habe und in die mich der beatsgetragene Synthie-Pop der Skizze unwillkürlich zurückführt: Was ist der Unterschied zwischen dem musikalischen Untergrund von damals und dem von heute? Drei Zeichen: FM4. Die Independent-Szene Österreichs hat eine Infrastruktur bekommen - und damit auch eine Struktur. Was uns in die unmittelbare Gegenwart und zur neuen Skizze-CD "Hysterikk" zurückführt. Und zum Eingangszitat (letztlich übrigens ein Verweis auf die Pet Shop Boys und deren "Hit music on the Radio" - die Synthie-Duo-Sozialisierung kommt eben nicht von ungefähr).

Dass es gerade Skizze sind, die diesen für die heimische Jugendkultur ebenso wichtigen wie prägenden Faktor und seinen Beitrag zur Herausbildung eines "Mainstreams der Minderheiten" thematisieren, ist kein Wunder. Die Texte sind dem Geschwisterpaar Ina und Max sehr wichtig, sind teils politisch, teils privat - und dass sie die an sich flockigen Elektro-Beats konterkarieren, wird nicht nur in Kauf genommen, sondern ist sogar beabsichtigt: Sperrigkeit trägt bereits eine Botschaft in sich selbst.

Der Beat macht die Party an/
Stabil und anerkannt löst er dein Problem/
Der Beat macht auch die Werte an/
Gliedert uns ein in sein System ... ...

Wenn auf dem sonntäglichen Konzert die von Gerhard Potuznik mitproduzierte CD "Hysterikk" präsentiert wird, kann sich also jede(r) aus der Skizze das rauspicken, was er oder sie bevorzugt: den Sound der Elektro-Beats, der ziemlich genau auf halbem Weg zwischen Human League und Techno-Pop liegt (bzw. auf und ab hüpft) - oder den Diskurs. Pop-Welt - Jetzt-Welt.
(Josefson)

[... und ich schreib als nächstes eine Rezension über Saint Etienne - vielleicht bekomm ich dann Sarah Cracknell als Kollegin ...]

Skizze live im B 72: Sonntag, 6. 10., ab 22.30 Uhr. DJ-Line ab 21 Uhr.
  • Max und Ina auf dem Cover der CD "Hysterikk"
    foto: skizze

    Max und Ina auf dem Cover der CD "Hysterikk"

Share if you care.