Erweiterung "kostet 8,8 Milliarden Euro"

5. Oktober 2002, 19:57
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EU-Botschafter Woschnak rechnet bis 2006 mit erheblichen Belastungen - Bessere Öffentlichkeitsarbeit der Union gefordert

Wien - Der österreichische Botschafter bei der EU, Gregor Woschnak, beziffert den "Netto-(Geld)fluss" von der Union in Richtung der voraussichtlich 2004 beitretenden Länder in den nächsten vier Jahren mit 8,8 Milliarden Euro. Im Ö1-Mittagsjournal am Samstag sagte Woschnak, die EU-Erweiterung sei "zunächst ein politisches Projekt, das langfristig auch wirtschaftliche Folgen hat".

Die Unterstützung der EU für die Länder der nächsten Beitrittsrunde beträgt nach den Angaben Woschnaks ein Achtel jenes Betrages, den die Bundesrepublik Deutschland an die neuen Bundesländer ausbezahlt habe. "Ein Paradies muss man sich immer hart erarbeiten", so der Botschafter. Durch die anstehende Beitrittsrunde - die größte in der Geschichte der Gemeinschaft - werde die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Union um sechs Prozent ihres derzeitigen Brutto-Inlandsproduktes gesteigert.

Zum Fortschrittsbericht der EU-Kommission über den Stand der Verhandlungen mit den Kandidatenländern, der für nächste Woche erwartet wird, sagte Woschnak, dass dieser zusammen mit einem Strategie-Papier veröffentlicht werde, der "Defizite" in der Umsetzung der EU-Rechtsnormen bei den Kandidaten aufzeige. Der Fortschrittsbericht wird vermutlich zehn Länder als "gerüstet" für einen Beitritt im Jahr 2004 anerkennen.

Die meisten Verhandlungskapitel seien abgeschlossen, so Woschnak. Die technischen Bereiche des heiklen Landwirtschaftskapitels seien ebenfalls vorverhandelt. Blieben die Fragen um die Agrarsubventionen. Woschnak verteidigte in diesem Zusammenhang den Angleichungszeitraum von zehn Jahren: "Wenn wir diesen Ländern die gleiche Hilfe geben, die derzeit in der EU gezahlt werden, würde das heißen, dass ein Universitätsprofessor in Warschau sofort Bauer werden würde, weil er da viel mehr Geld verdienen würde." Woschnak zufolge kommen bei der Erweiterung 3,8 Millionen Bauern zusätzlich in die EU, ein Zuwachs von 56 Prozent.

Woschnak ortet ein Versäumnis, die Erweiterung der Öffentlichkeit "entsprechend nahezubringen". Die Entscheidungsfindung im Europäischen Rat werde schwieriger werden und müsse effizienter gemacht werden. "Wir werden einige Zeit brauchen, um die Erweiterung zu verdauen", meinte der Botschafter, der für die Beitrittsrunde 70 Prozent Chancen gegenüber 30 Prozent Risiken sieht. (APA)

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    montage: derstandard.at
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