Breitband-Studie: Kabel hat noch Chancen

6. Oktober 2002, 12:45
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Umfangreiche Investitionen in den weiteren Ausbau notwendig

Breitband ist zum Synonym geworden für ein Bündel verschiedener Medien- und Kommunikationsdienste, die das Medienverhalten und die Nutzung elektronischer Kommunikationsdienste revolutionieren sollen. Um künftig möglichst das gesamte Spektrum dieser Dienste über eine Plattform anbieten zu können, sind umfangreiche Investitionen in den weiteren Ausbau der Kommunikationsinfrastrukturen notwendig.

Breitbandkabel, DSL und Satellit

"Mit dem Breitbandkabel, DSL und Satelliten-Systemen gehen drei Infrastrukturen an den Start, die bereits heute eine umfangreiche Kundenbasis besitzen und nahezu flächendeckend verfügbar sind. Sie besitzen das technische Potenzial, das gesamte Spektrum der Dienste auf einer Plattform abzubilden", so die Beratungsfirma Heitzig-Consult in einer aktuellen Marktstudie.

Das "digitale Programmbouquet"

Das am Markt verfügbare "digitale Programmbouquet" stecke allerdings noch in den Kinderschuhen. Der plattformübergreifende Wettbewerb zwischen Kabel, Satellit und DSL werde an zwei neuralgischen Punkten ausgetragen: In der Programmversorgung, wo Satelliten-Anbieter und Kabelnetzbetreiber bislang komplementäre geografische Marktgebiete abgedeckt haben. Das Kabel ist dabei eindeutig die Nummer eins in den Ballungsgebieten. Bei Breitbandinternet, wo DSL-Anbieter sich einen deutlichen Wettbewerbsvorsprung herausgearbeitet haben. "Der deutsche Kabelmarkt ist in besonderem Maße von politischen Entscheidungen der Vergangenheit geprägt worden. Ein Geschäftsmodell, das die besonderen Marktverhältnisse in Deutschland nicht berücksichtigt, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Unserem Marktberechnungsmodell zufolge werden etwa 10,6 Mio. Wohneinheiten von kleineren und mittelständischen Kabelnetzbetreibern versorgt. Diese hohe Zahl zeigt, wie wichtig diese Betreibergruppe bei der Betrachtung des Kabelmarktes ist. Allerdings ist es gerade diese Gruppe, die in den bisherigen Betrachtungen häufig vernachlässigt wurde", führen die TK-Experten von Heitzig-Consult weiter aus.

Unklare rechtliche Situation

Unzureichende Rechtsklarheit, fehlende höchstrichterliche Entscheidungen, unterschiedliche Auslegungen der nationalen und europäischen Vorschriften, Rechtsetzungskompetenzen zwischen EU und Mitgliedsländern sowie die diffuse Gesetzgebungskompetenz zwischen Bund und Ländern würden dazu führen, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen umstritten bleiben. Die gleichzeitige Erwartung einer Konvergenz der Medien verstärke die Unsicherheit.

Das Kabel sei nicht "abgeschrieben"

Das Kabel sei nicht "abgeschrieben", wie manche sagen. "Alternative Versorgungskonzepte erhöhen sogar noch die strategischen Freiheitsgrade der Netzebene vier. Die Markteilnehmer wissen, der Ausbau muss weitergehen, weil die Zukunftschancen des Kabels in seiner Digitalisierung und dem rückkanalfähigen Ausbau liegen", betont Heitzig-Consult. Nimmt man die Ausbau- und Produktplanung der Befragten für die Marktstudie als Grundlage, werden bis 2005 zwei Drittel aller Hausverteilnetze internettauglich und rückkanalfähig sein, was einem Marktpotenzial von knapp sieben Mio. Haushalten in Deutschland entspricht.(pte)

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