MLP-Affäre: Manipulationsverdacht wird überprüft

6. Oktober 2002, 18:50
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Aufsichtsratschef wehrt sich gegen persönliche Vorwürfe

Hamburg/Heidelberg - Die Affäre um angeblich geschönte Bilanzen des Finanzdienstleisters MLP AG weitet sich nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" aus. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) prüft demnach in einer Voruntersuchung nicht nur, ob es im Zusammenhang mit der am 2. August publizierten Gewinnwarnung zu Insidergeschäften gekommen ist. Darüber hinaus werde untersucht, inwiefern "Anhaltspunkte für einen Verdacht auf Kurs- und Marktpreismanipulation vorliegen", bestätigte eine BAFin-Sprecherin dem Nachrichtenmagazin.

Dem im Voraus veröffentlichten Bericht zufolge geht es um die Frage, ob durch unrichtige Angaben des Heidelberger Unternehmens die Bewertung der Aktie beeinflusst wurde. Die BAFin ermittelt zudem wegen Insidergeschäften mit MLP-Papieren im Vorfeld der am 30. September 2000 angekündigten Umwandlung von Vorzugs- in Stammaktien. Bei der Staatsanwaltschaft in Mannheim habe die Finanzaufsicht eine entsprechende Strafanzeige eingereicht.

Der Kurs der MLP-Aktie war in den vergangenen Monaten nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und Vorwürfen des Anlegermagazins "Börse Online" kräftig gesunken. MLP hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Wenn am 12. November der Arbeitskreis Börse über die Zusammensetzung des NEMAX 50 und des SDAX diskutiert, könnte auch der Verbleib von MLP im Deutschen Aktienindex DAX zum Thema werden. Dort ist das Unternehmen seit Juli 2001 notiert. Die Staatsanwaltschaft hatte nach einer anonymen Anzeige die MLP-Firmenräume zwei Mal durchsucht, zuletzt am vergangenen Dienstag.

MLP-Aufsichtsratschef weist "Focus"-Vorwürfe zurück MLP hat am Samstag einen weiteren Bericht über Bilanzmanipulationen zurückgewiesen. Das Nachrichtenmagazin "Focus" hatte einen Artikel im Voraus veröffentlicht, wonach MLP-Aufsichtsratschef Manfred Lautenschläger für seine eigene Tochter eine Lebensversicherung über eine Milliarde Euro abschließen hat lassen, für die MLP dann in der Konzernbilanz 2001 eine überhöhte Provision von 60 Millionen Euro verbucht habe.

Im Januar 2002 habe Lautenschläger den Versicherungsantrag dann wieder zurückgezogen und die Provision zurückgezahlt. Dabei hätten ihm gute Kontakte zum Gerling-Konzern geholfen, von dem die Police abgeschlossen und die Provision gezahlt worden sei, schreibt "Focus" weiter.

Lautenschläger erklärte, er habe nie eine Lebensversicherung in dieser Höhe abgeschlossen. Er kündigte an, mit allen rechtlichen Mitteln gegen Personen vorzugehen, die diese falschen Behauptungen aufstellten. Nach Angaben von MLP stammen die Informationen von "Focus" aus dem Umfeld des ehemaligen MLP-Vorstandsmitglied Dorian Simon. MLP hatte den 31-Jährigen im September fristlos entlassen, weil er Geschäftsinterna an Medien weitergegeben haben soll. Das Magazin hatte sich dagegen auf Justizkreise. Die Staatsanwaltschaft Mannheim gehe in dem laufenden Ermittlungsverfahren entsprechenden Hinweisen nach. (APA/dpa)

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