Bush weist Blairs neue Nahost-Initiative schroff zurück

5. Oktober 2002, 13:31
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US-Präsident rüffelt britischen Premier - Guardian: "Peinlicher Rückschlag"

London - US-Präsident George W. Bush hat nach einem Bericht des "Guardian" (Samstag-Ausgabe) einen neuen Nahost-Vorstoß des britischen Premierministers Tony Blair schroff zurückgewiesen. Die liberale Londoner Zeitung sprach von einem "peinlichen Rückschlag" für Blair, der auf dem Labour-Parteitag in Blackpool abschließende Verhandlungen über eine endgültige Friedensregelung mit den Palästinensern noch vor Jahresende gefordert hatte. Bush habe gegenüber der Londoner Regierung deutlich gemacht, dass er derartige Verhandlungen "in naher Zukunft nicht wünscht", schrieb der "Guardian".

Blair hatte in seiner Rede am Dienstag auch verlangt, dass UNO-Resolutionen für den Nahen Osten ebenso eingehalten werden müssten wie Sicherheitsrats-Beschlüsse zum Irak. Mit der Absage aus Washington werden laut "Guardian" die "fundamentalen Meinungsunterschiede" zwischen Washington und London in der Nahost-Frage deutlich. Bush konzentriere sich ausschließlich auf den Irak.

In der Downing Street und im britischen Außenministerium herrsche "Verzweiflung" über die Haltung von Bush. Blair wolle aber trotzdem seine Bemühungen um eine Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen "innerhalb der nächsten Monate" fortsetzen. Ein britischer Regierungsbeamter habe die Reaktion Bushs auf den Nahost-Vorschlag von Blair als "kühl" bezeichnet, schrieb der "Guardian". Der Beamte habe hinzugefügt: "Der Mangel an Fortschritt im Nahost-Konflikt vergiftet die gesamte Region."

Angaben über Zeitpunkt und Form von Bushs Reaktion machte die Regierung in London nicht. Man stehe auf "verschiedenen Ebenen ständig im Kontakt", hieß es lediglich.(APA/dpa)

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