Sprachen lernen à la Karaoke

5. Oktober 2002, 11:45
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Durch Spracherkennung und mitlernender Softwaresysteme wird das einsame Lernen am Computer spannender.

"What about lemonade?" - Die Sprachlernsoftware gibt so lange nicht auf, bis ich den Satz richtig ausgesprochen habe. Am Bildschirm sehe ich, wann ein Wort oder Satz Höhen oder Tiefen benötigt. Erst wenn die vorgesprochenen Sätze richtig wiederholt werden, geht das System im Stoff weiter. Das erinnert ein bisschen an Karaoke, wo der Songtext zeitgleich zu der Melodie am Bildschirm erscheint.

Akzentfreie, richtige Aussprache

Die richtige Intonation eines Satzes, das akzentfreie, richtige Aussprechen einzelner Wörter war einer der großen Nachteile beim anonymen Lernen von Sprachen vor dem Computer. "Wir haben sehr früh schon begonnen, Spracherkennung in unsere Sprachlernsysteme einzubauen", sagt Nagi Sioufi, Geschäftsführer des Herstellers von Sprachlernsoftware, Auralog.

Kurs passt sich Lernfortschritten an

Mit Neuerungen wie diesen wurde das kleine französische Softwarehaus zum Marktführer und verkauft seine Sprachkurse in über 60 Ländern. Bei dem jüngsten Produkt, "Tell me More 6.0", einer Sprachlernsoftware für Erwachsene, kann der Lernende über einen "dynamischen Mode" die Einstufung dem Programm überlassen; der Kurs passt sich automatisch den jeweiligen Lernfortschritten an. Für den Schüler unbemerkt, wertet dabei eine Software die Arbeitsergebnisse permanent aus und passt das folgende Übungsangebot an die bestehenden Defizite an. Mit der Ausgangssprache Deutsch wird das Produkt derzeit für vier Sprachen angeboten, außerdem mit Deutsch als Fremdsprache. Mitgeliefert zu den Programmen werden Kopfhörer und Mikrofon.

Erwachsene haben notwendige Disziplin

Mit Sprachlernsoftware wie dieser wird vor allem der Erwachsenen-Markt bedient, erklärt Wolf-Rüdiger Feldmann, Geschäftsführer des Berliner Cornelsen Verlags, der den Vertrieb der Auralog-Produkte im deutschsprachigen Raum innehat. Erstens weil dieser Markt noch immer wächst. Zweitens weil der (von Lehrern mitbegleitete) Markt für Unternehmensschulungen lukrativer ist als das reine Verkaufen von CD-ROMs. Und drittens weil die notwendige Disziplin, die für das einsame Lernen hinter einem PC notwendig ist, sich bei Kids trotz multimedialem Pep nicht so häufig findet.

Doch hat Auralog auch Sprachlernsysteme extra für Kinder entwickelt (Tell me More, Kids), in die die patentierte Spracherkennungssoftware von Auralog, genannt SETS (Spoken Error Tracking System) an die kindliche Aussprache adaptiert wurde.

Der "Nachmittagsmarkt"

In diesem Segment - in der Fachsprache "Nachmittagsmarkt" genannt - setze man mehr als der Mitbewerb auf das Lernen - und nicht so sehr auf das spielerische Lernen, erklärt Feldmann: "Man kann natürlich spielerisch motivieren, aber es bleibt doch eine Lernsoftware." Setzt man bei PC-Lernprogrammen zu sehr auf das Kunstwort Edutainment, bestehe besonders bei Kindern die Gefahr, dass das Entertainment im Vordergrund stehe und die Education auf der Strecke bleibe.

Das beim Lernen trotzdem notwendige Feedback wird von Webtutoren abgewickelt, die über die Homepage von Auralog gratis, via E-Mail oder in Chatforen konsultiert werden können.(Johanna Ruzicka/ DER STANDARD, Printausgabe vom 4./5.10.2002)

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