20 Jahre Haft für "US-Taliban"

5. Oktober 2002, 11:07
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John Walker Lindh profitiert von umfangreichem Geständnis und entgeht damit Verurteilung zu lebenslanger Haft

Washington/Alexandria - "US-Taliban" John Walker Lindh ist am Freitag von einem Gericht in Alexandria (Virginia) zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Bevor der Richter das Strafmaß verkündete, erteilte der 21-Jährige dem Terrorismus eine Absage und bezeichnete es als "Fehler", sich jemals den Taliban in Afghanistan angeschlossen zu haben.

Bereits im Juli hatte sich Lindh des Sprengstoffbesitzes und der Unterstützung des Taliban-Regimes schuldig bekannt. Er vermied dadurch einen Prozess und zugleich eine möglicherweise höhere Strafe: Im Gegenzug zu dem Schuldbekenntnis ließ die Bundesanwaltschaft einen schwerer wiegenden dritten Anklagepunkt - Verschwörung zur Ermordung von Amerikanern - fallen. In der Vereinbarung mit der Anklage vom Juli sagte Lindh Zusammenarbeit mit den Behörden zu - eine Auflage, die er den Anklägern zufolge erfüllte.

Der Fall des "amerikanischen Taliban" hatte international für Schlagzeilen gesorgt. Walker Lindh war in einer behüteten Umgebung in Kalifornien aufgewachsen, konvertierte als Teenager zum Islam und siedelte dann zum Studium der arabischen Sprache in den Jemen um. Wenig später ließ er sich in einem Camp der El-Kaida-Terroristen in Pakistan und Afghanistan an Waffen ausbilden und schloss sich den Taliban-Kämpfern an. Im Zuge der Niederschlagung des Gefangenen- Aufstands von Mazar-i-Sharif wurde er Ende letzten Jahres gefangen genommen.

Vor dem Gericht in Alexandria hielt der 21-Jährige eine 14-minütige von starken Emotionen geprägte Rede. Er verurteilte zugleich die Terrorattacken der El-Kaida, die völlig im Widerspruch den Lehren des Islam stünden und "durch nichts gerechtfertigt" seien. Unter Tränen sagte er vor Gericht in Alexandria im US-Staat Virginia, er glaube, dass Terrorismus niemals gerechtfertig sei, um Probleme zu lösen. In einer 20-minütigen Erklärung sagte Lindh, wenn er damals gewusst hätte, dass die Taliban dem Terrornetzwerk von Osama bin Laden Unterschlupf böten, hätte er sich ihren Truppen niemals angeschlossen. Er habe die Nordallianz in Afghanistan bekämpfen wollen und nie damit gerechnet, auf Amerikaner zu treffen. Wörtlich sagte Lindh: "Ich habe einen Fehler gemacht, indem ich mich den Taliban anschloss."

Nach Medienberichten gab Walker Lindh den Ermittlungsbeamten während zahlreicher Verhöre "interessante" Informationen. Danach hat Lindh nach dem 11. September letzten Jahres zwei weitere noch schlimmere Attacken erwartet. Grund für diese Annahme sei ein Gespräch zwischen El-Kaida-Ausbildern gewesen, das Lindh mitgehört habe. Dabei sei von einem Anschlag auf nukleare Einrichtungen oder von einer Attacke mit biologischen Waffen die Rede gewesen. (APA/dpa/AP)

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    "Ich habe einen Fehler gemacht, indem ich mich den Taliban anschloss."

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