Ökologie und Soziologie der Landschaft

7. Oktober 2002, 21:24
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Ein großer Forschungsschwerpunkt zu Österreichs Regionen: Publikationen

Zersiedelung, Abwanderung aus (klimatisch, geographisch, sozial) benachteiligten Regionen, Umweltprobleme: Diese Folgeprobleme einer Technisierung der Natur waren für das Wissenschaftsministerium 1992 Anlass zur Initialzündung des riesigen, inter- und transdisziplinären Forschungsprojekts "Kulturlandschaften". Etwa 500 Forscher - großteils aus Biologie, Raumplanung, Ökonomie, aber u.a. auch aus Soziologie und aus dem Bereich Kunst - aus dem universitären und außeruniversi- tären Bereich arbeite(te)n in 70 "Modulen" an Themen und Problemen. Dabei wird "Trans- disziplinarität" im erweiterten Sinne verstanden, als Überschreitung des Systems Wissenschaft.

Das heisst: Zusammenarbeit mit "Laien", die etwa an Workshops teilnehmen: Bürgermeister und Bauern zwischen Waldviertel und Vorarlberg, dazu Schulprojekte. Die Finanzierung (16,7 Millionen Euro) wird zu zwei Drittel vom Ministerium, zu einem Drittel von dreißig Finanzierungspartnern getragen. Eigene Publikationsreihen, dutzende Zeitungsbeiträge, Sammelbände, Spezialuntersuchungen: Wie sollte daraus für eine Besprechung eine Auswahl getroffen werden?

Jede Heraushebung ist ungerecht gegenüber der Fülle der anderen: In der Publikationsreihe "Forschungsschwerpunkt Kulturlandschaft" liegen inzwischen fundierte Hefte und Bände vor (erhältlich in der Koordinationsstelle des Projekts: 1040 Wien, Lambrechtgasse 5/6, Tel. 01-5852835): zu Begriff und Wahrnehmung von Landschaft; zu Tierökologie und Landschaftsplanung, zum Agrarökologischen Projekt Krappfeld und viele, viele andere Studien zu juristischen und ökologischen Fragen.

Auf zwei große, im Kontakt mit der ETH Zürich erstellte Fallstudien sei hingewiesen: die auf der Wiener Boku erstellte Untersuchung über die "Perspektiven der Nationalparkregion Hohe Tauern" und die in Graz erarbeitete "Erzherzog Johann Fallstudie zum Entwicklungspotential einer Bergbaugesellschaft". Beide, obgleich zu ganz verschiedenen Regionen, berücksichtigen Ökologie und sich wandelnde Ökonomie: Wie wirken sich Verlagerungen in Berufsfeldern und Berufsperspektiven in landwirtschaftlichen (Nationalpark) oder industriellen (Bergbau-)Gebieten aus? Eine umfassendere, aber, da vom Einzelfall gelöst, auch "abgehobenere" Untersuchung , ein Handbuch Gender Mainstreaming, fragt nach Benachteiligungen von Frauen im ländlichen Raum, nicht nur was Einkommen, sondern auch, was soziale und reale Mobilität betrifft. Diese Studie aber bleibt, wie dergleichen Vorhaben oft, auf der Ebene von Forderungen. (rire/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6. 10. 2002)

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