Er. Und wenn nicht?

4. Oktober 2002, 20:10
1 Posting

Politiker-Doppelgänger gibt es nicht nur im Irak, befindet Günter Traxler in seiner Kolumne

Wer, wenn nicht er? Diese Rätselfrage wird in diesen Tagen den österreichischen Wählerinnen und Wählern gestellt, aber schon im Februar dieses Jahres hallte sie durch irakische Paläste, als es galt, Besuch aus Kärnten möglichst reibungslos abzuwimmeln, und der einheimische Zampano sich mit den Worten "Ich bin schon weg" gerade noch rechtzeitig in die Wüste verdrückte. Es wäre ihm peinlich gewesen, von einem Privatreisenden die Solidarität des österreichischen Volkes entgegennehmen zu müssen, noch dazu von einem, bei dem der Verdacht groß war, es könnte sich bei ihm ohnehin nur um das Double jenes Politikers handeln, der in der Heimat je nach Bedarf schon weg war oder noch da ist und damit in seiner Partei eine Verwirrung stiftete, wie sie in Bagdad nicht größer sein kann, wenn es darum geht, wer gerade wo als der große Führer auftreten soll.

Aus einem Land der Schnauzer, in dem es von Saddam-Doubles wimmelt, konnte die kürzliche Enthüllung der Financial Times, Saddam Hussein gönne sich drei davon, nicht wirklich überraschen. Eher fragt man sich: Kann er sich nicht mehr leisten? Auch für Österreicher ist das Doppelgängerphänomen nichts Neues. Längst haben sie es aufgegeben, all die Duplikate, die sich der Saddam-Fan in Kärnten nach seinem ästhetischen Ideal heranzog, auf Unterscheidbarkeit abzuklopfen. Sie haben der Einfachheit halber all die flexibel einsetzbaren Leibwächter und Platzhalter, die Pfeifen-und Strutzenbergers, Rumpolds und Reichholds etc. unter dem Begriff zusammengefasst, der mit ihnen altert: Buberlpartie.

Nur weil ein deutscher Buhmann einen österreichischen Buh- und einen irakischen Strohmann als Protagonisten einer irakisch-kärntnerischen Provinzposse entlarvt hat, muss man deren weltpolitische Bedeutung also nicht schmälern. Ob sich Haider mit dem Original-Saddam oder einem Double problemlos über die Gefahren des Zionismus und die den Weltfrieden bedrohenden USA verständigt, macht nicht den geringsten Unterschied. Denn man kann ganz sicher sein, dass zwischen Double und Original nicht einmal ein Blatt Papier passt, wie man so sagt. Zwischen irakisches Double und Kärntner Original nach allen bisherigen Berichten der Reiseleitung auch nicht mehr.

Komplizierter wäre es gewesen, hätte Haider in Bagdad nicht nur Medikamente, sondern auch Orden überreicht. An sich ist das für die österreichische Diplomatie kein Problem. Italienische Postfaschisten mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen am Bande zu ehren, ist für die nicht mehr als Usance. Aber wie ist das bei irakischen Humanisten im Viererpack? Wären das Original und seine Duplikate jeweils mit demselben Orden auszuzeichnen, oder müssten sich die Doubles mit einem Kleinen Ehrenzeichen zufrieden geben? (Ungerecht, tragen sie doch das größere Risiko.) Oder kriegen sie gar nichts und dürfen sich das Geschmeide nur ausborgen, wenn wieder einmal eine Delegation aus Kärnten vorbei kommt? Hoffentlich machen wir dort lange keinen Staatsbesuch.

Haider muss Dieter Buhmanns Gutachten bestellt haben. Jetzt kann er den Untersuchungsausschuss des Kärntner Landtages mühelos davon überzeugen, dass er privat gereist ist, und zwar auf Kosten seines Pressereferenten. Und was frühere Behauptungen von einem Treffen mit Saddam betrifft: Natürlich habe er sich damals in Bagdad beim Anblick seines Gegenübers gesagt: Wer, wenn nicht er. Er wäre damit ja nicht der erste, der einer Fata Morgana aufgesessen ist. So etwas kann einem schon passieren, wenn sich jemand gar so aufdringlich in Szene setzt und meint, eine Nation könnte von ihm gar nicht genug bekommen. (DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.10.2002)

Share if you care.