Wenn Männersache zur Frauensache wird

4. Oktober 2002, 20:07
1 Posting

Graz: Erstes geschlechterpolitisches Abendessen zum Thema Gewalt

Graz - Die Frauen waren deutlich in der Überzahl, als am Donnerstag die Grüne Akademie in Graz ihre neue Veranstaltungsreihe "Männersache" mit einem geschlechterpolitischen Abendessen zum Thema Gewalt startete.

Auf dem Podium saß auch jene Frau, die in der Stadt für "Frauensachen" zuständig ist: Die Grazer Frauenbeauftragte Daniela Jauk, die im Sommer erfolgreich gegen ein "sexistisches" Plakat der Bäckerei-Innung beim Werberat protestierte. Das Plakat wird nicht mehr affichiert, dafür gibt es aber ein neues, das Jauk selbst zum Thema sprachliche Gleichbehandlung entworfen hat. Für sie kann auch Sprache gewalttätig wirken, "denn der Ausschluss von Frauen aus der deutschen Sprache ist eine andere, viel subtilere Form von Gewalt."

Dass Gewalt ausschließlich Männersache sei, wollte niemand am Podium bestätigen. Auch nicht Heinz Baumann von der Männerberatungsstelle Graz, der oft mit männlichen Tätern zu tun hat. Diese seien oft Opfer herrschender Männlichkeitsbilder, denen sie nicht gerecht werden könnten. In der Beratungsstelle versuche man Gegenentwürfe zum "harten Mann" zu finden. Baumann: "Deswegen sprechen wir immer von Männlichkeiten, nicht von einer Männlichkeit."

Sexualisierte Gewalt steht im Mittelpunkt der nächsten "Männersache" am 7. November. Frauen, aber auch Männer sind willkommen.

(cms, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 5./6.10.2002)

Share if you care.