Ausbau der Eisenbahn zur problemlosen Ost-Integration

4. Oktober 2002, 20:03
1 Posting

Die Osterweiterung erzwingt eine Umreihung der Prioritäten beim Bahnausbau, sonst droht ein Verkehrschaos - mit Grafik

Wien - Bisher galt die Priorität beim Ausbau der Verkehrswege in Europa den Nord-Süd-Verbindungen. Mit der bevorstehenden Aufnahme der Beitrittswerber in die EU müssten Mittel verstärkt in die Verbesserung der Ost-West-Achsen investiert werden - insbesondere in die Schiene. Die Straße könne die zu erwartende Steigerung des Verkehrsaufkommens nicht bewältigen, ein Verkehrskollaps wäre die Folge, sagten Verkehrsexperten am Freitag bei einer Tagung in Wien.

Allein die Verbesserung der Bahnverbindung zwischen Paris, Straßburg, München und Wien bis Budapest würde den Einsatz von 15 Mrd. Euro erfordern. "Der Ausbau dieser Magistrale wäre aber hoch effizient", sagte Werner Rothengatter von der Universität Karlsruhe. Dieser hat im Auftrag einer unter dem Namen "Magistrale für Europa" seit zehn Jahren tätigen Lobbyinggruppe für eine effizientere Bahnverbindung von Ost nach West eine Wirtschaftlichkeitsberechnung gemacht. Mitglieder sind Wirtschaftskammern, Regionen und Städte entlang der Magistrale, darunter auch Wien.

Zentralbahnhof

Nach vorsichtiger Schätzung führe die Beseitigung von Engpässen im Bahnreiseverkehr auf der 1500 Kilometer langen Strecke Paris-Budapest zu einem gesamtwirtschaftlichen Effekt in Höhe von zwei Mrd. Euro jährlich, sagte Rothengatter. Die Zahl der Passagiere würde sich von 47 Millionen auf 61 Millionen pro Jahr erhöhen, wenn die Fahrzeiten verkürzt und zweigleisige Engstellen durch einen viergleisigen Ausbau beseitigt würden. Hauptnutznießer wären die verschiedenen Produktions- und Dienst- leistungsbetriebe entlang der Magistrale.

Wichtiges, aber noch fehlendes Bindeglied auf der Schienenverbindung zwischen Paris und Budapest ist der Wiener Zentralbahnhof. Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker will den Druck verstärken, dass das laut ÖBB-Infrastrukturvorstand Helmut Hainitz rund 340 Mio. Euro teure Projekt früher als im Generalverkehrsplan vorgesehen in Angriff genommen wird. Dort ist von 2012 die Rede. Schicker schlägt vor, dass die dann nicht mehr betriebsnotwendigen Grundstücke am Süd-Ostbahnhof versilbert und zur Finanzierung des Zentralbahnhofs herangezogen werden. Derzeit fallen solche Erlöse dem Schuldenabbau der Bahn zum Opfer. Wer eine Bahnverbindung früher haben will, solle die Finanzierung aufstellen, heißt es im Verkehrsministerium lapidar. (stro/DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.10.2002)

  • Grafik zum Vergrößern anklicken

    Grafik zum Vergrößern anklicken

Share if you care.