Nicht wie aus einem Guss

4. Oktober 2002, 21:36
posten

Wirbel um Giacometti- Nachlass-Auktion in Paris

Der Nachlass des Bildhauers und Malers Alberto Giacometti und dessen 1993 in Paris verstorbener Witwe Annette wird zu einem echten Justiz-Feuilleton. Die Auktion von 24 Skulpturen, die am 28. 9. im Pariser Hôtel Drouot-Richelieu versteigert wurden, ist das neueste, aber keineswegs letzte Highlight der morbiden Serie. Der "Verein Alberto und Annette Giacometti" stritt sich via Gericht zuerst mit dem ehemaligen Anwalt der Giacometti-Witwe, Roland Dumas, der auch zum Nachlassverwalter wurde, und der seinen Job 1999 an Maître Hélène Da Camara weiterreichte.

Die hohen Kosten für die Lagerung der auf mindestens 122 Millionen Euro geschätzten Werke, plus deren Versicherung (angeblich 1,6 Mio. EURO pro Jahr), sowie die Inventar-Erstellungskosten, die Honorare der Nachlassverwalterin (angeblich rund 500.000 EURO) plus deren Anwälte, belaufen sich insgesamt auf sechs Mio. Euro. Zur Kostendeckung suchte Da Camara bei Gericht um die Versteigerung von Werken an, was ihr bewilligt wurde. Sie beauftragte Christie's damit, die ein internationales Marketing für rund 358.000 Euro starteten. Die Pariser Zwangsversteigerer reichten Anfang September einen Prozess ein, weil es sich um eine Zwangsversteigerung handle, die eine Handelsgesellschaft wie Christie's nicht vornehmen kann, da Zwangsauktionen nach wie vor dem Monopol unterliegen.

Das Gericht verbot Christie's die für den 28.9. anberaumten Auktion. Der Präsident der Zwangsversteigerer, Dominique Ribeyre und Christie's Europa-Präsident François Curiel einigten sich jedoch, dass die Auktion zum vorgesehenen Datum, aber im Hôtel Drouot stattfand. Unter der Leitung von Zwangsversteigerer François de Ricqlès, Vizepräsident von Christie's Frankreich, der die 36 Telefonleitungen mit Christie's- Experten besetzte...

Obwohl nur posthume Güsse versteigert wurden, bot der Handel hochkarätig, da Giacometti-Skulpturen am Markt kaum existieren. Die Erstversion (1950) des Käfigs, Guss 1990, erwarb Ernst Beyeler für 1,744 Mio. Euro, eine Männerbüste (von 1960, Guss 1973) kletterte auf 1,057 Mio. Euro, eine Kleine Büste auf Sockel und eine 49,2 cm hohe Stehende Frau erzielten jeweils 872.000 Euro. Nach Los 24 ließ Nachlassverwalterin Da Camara die Auktion abbrechen, da sie bereits bei 8,327 Mio. Euro brutto angelangt war - was die nötigen sechs Millionen netto übersteigt. (Olga Grimm-Weissert/DER STANDARD; Printausgabe, 05.10.2002)

Share if you care.