Orden, wem Orden gebührt

4. Oktober 2002, 19:43
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Die Ordenvergabe bleibt in Österreich auch nach Fini-Skankal eine liebevoll gepflegte Tradition mit präzisen Regeln

"Es gehört zu den schönsten Aufgaben des Bundespräsidenten, verdienten Persönlichkeiten für hervorragende Leistungen namens der Republik zu danken", schwärmte Thomas Klestil, als er im Februar der Kammerschauspielerin Elfriede Ott das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich überreichte. Die Auszeichnung war nur mittleren Ranges, dafür aber erhielt sie diese von Klestil persönlich - eine seltene Ehre.

Offiziell vergibt die Republik Österreich gar keine Orden, sondern seit genau 50 Jahren Ehrenzeichen. Was einfach die republikanische Entsprechung für Orden ist - und derzeit in einer Ausstellung in der Münze Österreich (Am Heumarkt 1, bis 23. Jän- ner) auch in ebendiese Kontinuität gestellt wird.

1445 Herren und 172 Damen sind im Vorjahr ausgezeichnet worden. Weniger als in früheren Jahren, aber: "Die Zahl der Leute, die sich Orden wünschen, nimmt zu", meint Felix Mikl, Leiter des Ordensreferats im Außenamt.

Die Herstellungskosten eines Ordens schwanken zwischen 80 und einigen hundert Euro, aber der ideelle Wert für die Empfänger ist ein Vielfaches - eine kostengünstiger Weg für die Republik, sich erkenntlich zu zeigen. "Früher gab es Adelstitel oder ein kleines Gut, heute halt ein Ehrenzeichen", so ein Beamter in der Hofburg.

Aber: "Nicht alles ist ein Orden, das einem zum Hals heraus oder an der Brust herumhängt," warnt Walter A. Schwarz, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Ordenskunde. Er empfiehlt, den Amtskalender durchzublättern. Dort findet man nicht nur zehn Orden für Nationalratspräsident Heinz Fischer und sechs für den Dritten Nationalratspräsidenten Werner Fasslabend (aber keinen einzigen für den Zweiten Präsidenten Thomas Prinzhorn). "Da stoßen Sie auch auf einen Radetzkyorden", sagt Schwarz. Doch dies ist eigentlich ein privat verliehener Orden, den jeder Verein vergeben könnte. Gelistet ist er im Amtskalender unter "Dekorationen, die außer jeder Reihenfolge stehen".
Die Praxis, verdiente Soldaten mit einer Metallscheibe - den "Faleren" - zu belohnen, geht auf das alte Rom zurück, die Gründung von Orden als Rittergemeinschaften mit gleichem Abzeichen auf die Kreuzzüge. Ordnung in das System der Orden brachte Napoleon: Die Systematik wurde dann von den meisten anderen Ländern übernommen.
Grundsätzlich kann jedermann "anregen", einer aus seiner Sicht verdienten Persönlichkeit eine Bundesauszeichnung zu verleihen - ein Brief mit ausführlicher Begründung und Darstellung der (angenommenen) Verdienste an das zuständige Ministerium oder die Präsidentschaftskanzlei reicht. Dann wird ein Akt angelegt, sachkundige Beamte prüfen, und der Minister kann, wenn es ihm richtig erscheint, über das Bundeskanzleramt die Verleihung eines Ehrenzeichens durch den Bundespräsidenten beantragen. Für Abgeordnete gibt es ein eigenes, routinemäßig abgewickeltes Verfahren, da stellt den Antrag der Nationalrats- beziehungsweise Bundesratspräsident - ohne dass damit eine politische Wertung verbunden wäre.

Massenverleihung

Bei Staatsbesuchen werden massenweise Orden ausgetauscht, wobei der Besucher meist doppelt so viele vergibt als erhält. Den Groß-Stern des Ehrenzeichens trägt von Amts wegen nur der amtierende Bundespräsident, und er verleiht ihn an ausländische Staatsoberhäupter. Regierungsmitglieder - so auch Italiens Vizepremier Gianfranco Fini - erhalten bei solchen Anlässen das Große Ehrenzeichen am Bande, das auch langjährigen Botschaftern verliehen wird. Verdienstvolle Private steigen in niedrigeren Stufen ein, können sich aber mit genau geregelten Interkalarfristen (Wartefristen) die Ordensränge hochdienen.

Problematisch wird die Sache, wenn ein Geehrter einen silbernen Orden - unabhängig vom Rang - als Zurücksetzung empfindet. So etwa, als nach dem EU-Beitritt 1995 der damalige Außenminister Alois Mock die Idee hatte, ein gutes Dutzend Journalisten für ihr "aufklärende Berichterstattung" auszuzeichnen. Der Außenpolitiker eines Kleinformats war, weil kein Chefredakteur, nur für Silber vorgesehen - und boykottierte die Überreichung. Sie wurde später in einem Privatissimum für die Zeitung nachgeholt.

(Eric Frey Conrad Seidl, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 5./6.2002)

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    Im Bild links: Das grosse goldene Ehrenzeichen fuer Verdienste um die Republik Oesterreich; im Bild rechts: Das Grosskreuz des St. Stephansordens

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