Japans Banken werden an Kandare genommen

4. Oktober 2002, 19:02
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Notenbank drängt auf höhere Risikovorsorge

Tokio - Die japanische Notenbank beabsichtigt einem Pressebericht zufolge, japanische Geschäftsbanken auf dem Wege strikterer Vorschriften für die Kalkulation von Kreditausfällen zu einer höheren Risikovorsorge zu bewegen. Ein Bericht über Maßnahmen im Bankensektor Japans soll im Verlauf der kommenden Woche vorgelegt werden. Die Pläne zur Änderung der Kalkulation der Rücklagen seien in diesem Bericht enthalten, meldet die Zeitung Yomiuri am Freitag.

Bisher kalkulieren die japanischen Geschäftsbanken ihre Rücklagen auf Basis der Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz des Kreditnehmers. Die Bank of Japan (BoJ) plant nun dem Bericht zufolge, die künftige Profitabilität des Schuldners mit in die Kalkulation einzubeziehen.

Der japanische Finanzminister hält eine Verschiebung der geplanten Begrenzung staatlicher Garantien auf Sichteinlagen für richtig. "Es wäre gut, die Einführung um ein oder zwei Jahre zu verschieben", sagte Masajuro Shiokawa am Freitag. Man solle einen solchen Schritt einmal ruhig überdenken, fügte er hinzu. Der Plan zur Begrenzung der Staatsgarantien auf Sichteinlagen bei den Geschäftsbanken soll im kommenden April in Kraft treten. Eine Deckelung der Garantie auf Spareinlagen war bereits im vergangenen Jahr eingeführt worden.

Shiokawa bekräftigte auch erneut die Haltung der japanischen Regierung, dass kein Nachtragshaushalt in Planung sei und auch an der Deckelung der Ausgabe neuer Staatsanleihen festgehalten werden solle. Daneben setzte sich Shiokawa für ein "Sicherheitsnetz" ein, das wirtschaftliche Turbulenzen im Falle eines aggressiven Abbaus Not leidender Kredite auffangen solle. Solche Maßnahmen könnten etwa Garantien halbstaatlicher Banken für kleinere Unternehmen beinhalten, denn vor allem kleinere Unternehmen hätten unter einer strikteren Kreditvergabepraxis zu leiden. In ähnlicher Richtung äußerte sich am Morgen auch Wirtschaftsminister Heizo Takenaka.

Steuerreformen

Unterdessen kündigte Ministerpräsident Junichiro Koizumi bei einem Besuch der Tokioter Börse für das kommende Fiskaljahr Steuerreformen an, die eine Umschichtung von Sparguthaben in Aktien zur Folge haben sollen. Händler werteten dies als Zeichen, dass die komplexe Besteuerung von Aktientransaktionen auf dem Prüfstand stehe. (vwd, DER STANDARD, Printausgabe 5.10.2002)

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