Buwog & Co warten auf ein Leben nach der Wahl

4. Oktober 2002, 19:31
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Lehmann Brothers bereiten dennoch Verkauf vor

Wien - Der Verkauf der fünf bundeseigenen Wohnbaugesellschaften (Buwog, Linzer WAG & Co) an zahlungskräftige Investoren ist durch das vorzeitige Ende der schwarz-blauen Regierung und die Neuwahlen zumindest vorläufig gestoppt.

Dennoch wurde kürzlich vom Finanzminister die Investmentbank Lehmann Brothers beauftragt, den Verkauf vorzubereiten. In einer ersten Phase soll Lehmann den Wert der Gesellschaften mit insgesamt 60.000 Wohnungen unter dem Gesichtspunkt der Erlösmaximierung errechnen sowie mögliche Wege der Verwertung aufzeigen. Bis Ende Dezember sollen die Vorschläge am Tisch liegen. Experten schätzten den Verkaufserlös zuletzt auf 730 Mio. EURO bis eine Mrd. EURO. Lehmann Brothers hat in Österreich kein Büro. Von sich reden machte Lehmann Brothers in Wien als Investmentbank des mittlerweile insolventen IT-Dienstleisters YLine.

Ob sich nach der Wahl der neue Finanzminister an die Vorschläge von Lehmann Brothers hält, ist ungewiss. Ein Verkauf der bundeseigenen Wohnbaugesellschaften ( Buwog, WAG, ESG Villach, WBG Wien und EBS ) vor der Wahl am 24. November ist jedenfalls ausgeschlossen - dazu bedarf es eines eigenen Gesetzes.

Alternativen

Karl Wurm, Obmann der Gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften, kann sich durchaus einen Verkaufsstopp vorstellen und schlägt zwei Alternativen vor: Buwog & Co, die kurz nach Amtsantritt der schwarz-blauen Regierung den Status der Gemeinnützigkeit aufgeben mussten und seither als gewerbliche Bauträger fungieren, könnten, so Wurm, wieder in gemeinnützige Gesellschaften umgewandelt werden.

Oder: Wenn der Bund "aus verständlichen Gründen" keine Wohnungen haben wolle, sollten die Gesellschaften in Stiftungen eingebracht werden. Dadurch wären auch die Bewohner vor möglichen Spekulanten geschützt, sagte Wurm im STANDARD-Gespräch.

Eine Rückgabe jener 100 Mio. EURO Gewinnrücklagen, die die Gesellschaften heuer erstmals an den Finanzminister überwiesen haben, werde freilich nicht mehr möglich sein, meint Wurm.

Als potenzieller Käufer für die WAG gilt die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und Versicherungen. Interesse an der Buwog haben Karl Wlaschek, die Immofinanz und Banken. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe 5.10.2002)

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