"Rot-Grün würde Standort nicht stärken"

4. Oktober 2002, 19:37
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Industriellenvereinigung befürchtet Zurückfahren der Infrastrukturpläne

Wien - Am Freitag schoss sich der Landespräsident der Wiener Industriellenvereinigung, Ex-OMV-Chef Richard Schenz, auf die Verkehrssprecherin der Grünen, Eva Lichtenberger ein, die sich für einen Baustopp bei Autobahnen und gegen einen Autobahnring um Wien ausgesprochen hatte. Im Hinblick darauf und im Zusammenhang damit, dass "rot" für die Einführung der Vermögenssteuer und die Abschaffung von Stiftungsvorteilen stehe, glaube er nicht, "dass eine rot-grüne Regierung den Wirtschaftsstandort Österreich stärken würde".

Schwachpunkt

Die Infrastruktur sei bereits jetzt ein Schwachpunkt im Zusammenhang mit der Neuansiedlung oder dem Halten von Firmen-Headquarters im Land. So brauche man etwa mehr schnelle Straßen nach Brünn und Bratislava, meinte Schenz bei einer Pressekonferenz zum Thema Headquarter Policy für den Standort Österreich. Und Georg Serentschy, Geschäftsführer von Arthur D. Little Österreich, ergänzt, dass regionale Headquarters neben einer ausgezeichneten Verkehrsinfrastruktur noch gute technische und Lobbying-Strukturen sowie ein Reservoir an bestens qualifizierten Mitarbeitern brauchen.

Werner Clement vom Industriewissenschaftlichen Institut (IWI) schlägt beim Thema Verkehrswege in die gleiche Kerbe: "Potenzielle Investoren hinterfragen immerhin auch die Qualität der Verkehrsanbindung." Der Wiener Raum könnte zwar zum europäischen Verkehrskreuz zwischen Osten und Westen werden, die derzeitige Infrastruktur sei aber, so Clement, "dafür teilweise völlig unzureichend und lasse, selbst bei Betrachtung der Ausbaupläne, nicht auf baldige Besserung hoffen". Verbesserte Rahmenbedingungen für Headquarters wären zudem noch im Steuer-, Abgaben- und Arbeitsrecht zu setzen, hieß es. Punkten kann Österreich immerhin bereits jetzt mit einer hohen technischen Infrastruktur im Telekom- und IT-Bereich. (bach, DER STANDARD, Printausgabe 5.10.2002)

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