Staumauern unter Alpenflora

4. Oktober 2002, 19:45
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In Vorarlberg wird ein Speicherkraftwerk naturnah saniert

Dalaas - Kraftwerkssanierung mit Gespür für Ökologie und Landschaftsschutz versuchen die Österreichischen Bundesbahnen in Vorarlberg. Die Staumauern des Spullerseekraftwerkes in den Lechtaler Alpen, 1922 erbaut und in den 60er-Jahren erhöht, werden nicht wie vorgesehen mit Betonkeilen verstärkt. Die Gemeinde Lech wollte aus dem idyllische Zugertal keine Baustellenzufahrt machen und lehnte das Projekt ab.

Die ÖBB fanden im Tessiner Ingenieurbüro Lombardi eine umweltverträglichere Lösung. Die Schweizer Sanierungsexperten realisieren nun in Österreich erstmals eine naturnahe "Stabilisierung durch luftseitige Anschüttung". Die Talsperren auf 1800 Meter Seehöhe werden mit 83.000 Kubikmeter Gestein aus der direkten Umgebung aufgeschüttet. Drei Viertel der Betonmauern verschwinden hinter den (fast) natürlichen Schüttungen, die dann von der alpinen Flora erobert werden sollen.

Das Spullerseekraft ist eines von acht ÖBB-Kraftwerken. Es liefert 45 GWh Energie an das Bahnnetz (damit könnte ein Durchschnittshaushalt 13.000 Jahre lang versorgt werden). Die Sanierung wird 2004 beendet sein und 4,4 Millionen Euro kosten. (jub/DER STANDARD, Printausgabe, 5.10.2002)

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