Großbritannien wegen "Züchtigungsgesetz" in der Kritik

4. Oktober 2002, 18:31
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Eltern dürfen Kinder züchtigen - UNO-Komitee rügt am britischen Festhalten des 142 Jahre alten Gesetzes

Genf - Ein UNO-Komitee für Kinderrechte hat Großbritannien kritisiert, weil dort ein 142 Jahre altes Gesetz über das elterliche Recht zum Schlagen von Kindern noch immer rechtskräftig sei. Zwar habe man begrüßt, dass in britischen Schulen die körperliche Züchtigung abgeschafft worden sei, teilte das Komitee am Freitag in Genf mit. Mit Bedauern nehme man aber zur Kenntnis, dass London nicht wie aufgefordert ein Gesetz aus dem Jahre 1860 abgeschafft habe, das Eltern das Recht zur "begründeten Züchtigung" von Kindern gewährt.

Die Kinderrechtskonvention wurde 1989 verabschiedet. Den ersten Bericht über die Umsetzung legte London 1995 vor. Das Innenministerium teilte mit, dass die Regierung "absolut gegen Gewalt und Missbrauch von Kindern" sei. Es wies aber darauf hin, dass das Gesetz nur angemessene Gewalt gegen Kinder zulasse, nicht aber Kindesmissbrauch. "Wir erkennen an, dass Erziehung schwer sein kann, aber wir müssen davon Abstand nehmen, uns zu sehr in das Familienleben einzumischen", hieß es in der Erklärung.

Das Komitee erklärte dagegen, dass der Standpunkt der britischen Regierung eine "ernste Verletzung der Würde des Kindes" sei. Der niederländische Vorsitzende Jacob Doek sagte, das Komitee bevorzuge "positive", das seien gewaltfreie Erziehungsmethoden. "Wir sagen nicht, dass Kinder nicht diszipliniert werden sollten", erklärte er. "Dafür muss man sie aber nicht ins Gesicht schlagen oder in den Hintern treten." (APA/AP)

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