Neue Therapieempfehlung bei Gesichtsschmerzen

6. Oktober 2002, 19:56
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Antiepileptika, trizyklische Antidepressiva oder Neuroleptika sollten zum Einsatz kommen

Regensburg - Gesichtsschmerzen sollten nur in Ausnahmefällen mit Schmerzmitteln bekämpft werden. Darauf weist die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) in ihren neuen Therapieempfehlungen hin. Die Medikamente entfalteten oft erst dann ihre Wirkung, wenn die Gesichtsschmerzen längst wieder abgeklungen seien. Stattdessen sollten Antiepileptika, trizyklische Antidepressiva oder Neuroleptika zum Einsatz kommen, die den Schmerzen vorbeugen oder die Schmerzverarbeitung beeinflussen könnten.

Bei der so genannten Trigeminus-Neuralgie lösen äußere Reize wie Kälte oder Bewegungen blitzartig einschießende, elektrisierende Schmerzen im Gesicht aus. "Die chronischen Schmerzen können so stark sein, dass Betroffene sogar suizidgefährdet sind", sagt Arne May, Generalsekretär der DMKG und Neurologe an der Uniklinik Regensburg. In 50 bis 70 Prozent aller Fälle könnten die Patienten aber mit Antiepileptika schmerzfrei bleiben. Lasse die Arzneiwirkung nach, könne unter Umständen noch ein chirurgischer Eingriff am Trigeminus-Nerv helfen.

Tückische Schmerzen

Für Patienten mit einem dumpfen oder ziehend-bohrenden Wirbelsäulen-Kopfschmerz gebe es noch keine gesicherten, dauerhaft erfolgreichen Behandlungsmethoden, betonten die Experten. Physikalische Therapiemaßnahmen wie Massagen oder auch Akupunktur könnten nur kurzfristig helfen. Bei der Zosterneuralgie, eine von Herpes-Viren hervorgerufene Nervenentzündung im Gesicht, könnten die Schmerzen in bis zu 78 Prozent aller Fälle mit trizyklischen Antidepressiva und Antiepileptika gelindert werden.

Besonders tückisch sind May zufolge die so genannten atypischen Gesichtsschmerzen. Für diese Beschwerden könnten keine fassbaren organischen Ursachen gefunden werden. "Viele Patienten lassen sich wegen ihres Leidensdrucks beim Zahnarzt ganze Zahnreihen ziehen, in der trügerischen Hoffnung, dass die Schmerzen dann nachlassen", sagt der Neurologe. Dies erschwere aber oft nur die Diagnose oder führe dazu, dass die Schmerzen chronisch würden. (APA/AP)

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