Kreativität als Selbstheilungskraft

5. Oktober 2002, 10:36
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Kongress arbeitet spezifische Leistung der gestalterischen Therapien zur Traumabehandlung heraus

Salzburg - Schöpferisches Gestalten als Bewältigungshilfe bei seelischer Erschütterung ist der Kernpunkt des Kongresses "Trauma - Kreativität. Therapie mit künstlerischen Medien", der ab heute, Freitag, in der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg stattfindet. 70 Vorträge beschäftigen sich vor rund 300 Teilnehmern aus ganz Europa damit, wie man ein Unglück - beispielsweise den 11. September in New York oder die Tragödie von Kaprun - durch vielfältige Betätigung (Malen, Plastiken erstellen oder Bewegung) bewältigen kann, wie Alexander Keul von der Uni Salzburg erklärte.

"Praxisfeld der Kunsttherapeuten waren immer schon Psychotiker, Gewaltopfer, sexuell Missbrauchte, also schwerst Traumatisierte. Was therapeutisch mit Worten kaum erreichbar war, wurde mit künstlerischen Medien zugänglich. Erfahrungen mit inneren Spannungen, die auch ein Künstlertum speisen können, führten zur Kunsttherapie, die das heilende Potenzial im gestaltenden Tun anderen zugänglich machen will. Es ist Anliegen dieses Kongresses, die spezifische Leistung der gestalterischen Therapien zur Traumabehandlung herauszuarbeiten, diese theoretisch zu reflektieren und der Evaluation zugänglich zu machen", so der Organisator der Tagung, Psychotherapeut Alfons Reiter (Institut für Psychologie).

Im westlichen Gesundheitssystem seien akute Traumafolgen seit einiger Zeit als "Post Traumatic Stress Disorder" verankert, so Hilarion Petzold. Die Öffentlichkeit kenne sie spätestens seit dem Kaprun-Unglück oder dem 11. September. "Die Notfallpsychologie wird in letzter Zeit immer mehr gebraucht", betonte Keul. Wichtig wäre vor allem, dass eine Infrastruktur dafür geschaffen sei.

Der Kongress dauert zweieinhalb Tage und umfasst etwa 70 Vorträge, darunter von Luise Reddemann (Johanniskrankenhaus Bielefeld), Hilarion Petzold (FU Amsterdam), Karl-Heinz Menzen (FH Freiburg), Hans Förstl (Klinikum Rechts der Isar, München) oder Sepp Schindler (Emeritus, Uni Salzburg). Sie spannen einen weiten Bogen von der Neurobiologie und Psychoanalyse der seelischen Verletzung - sogar in vorgeburtlicher Zeit - bis hin zur langen Geschichte erfolgreicher Traumatherapien. (APA)

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    Was therapeutisch mit Worten kaum erreichbar ist, wird oft mit künstlerischen Medien zugänglich.

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