Putin entzieht US-Radiosender Sonderstatus in Russland

4. Oktober 2002, 17:02
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Kreml kritisiert "ideologischen Charakter" der Berichterstattung von Radio Free Europe

Der russische Präsident Wladimir Putin hat dem vom US-Kongress finanzierten Sender Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) dessen Sonderstatus in Russland entzogen. Damit würden alle ausländischen Medien auf eine Stufe gestellt, sagte ein Kreml-Vertreter am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax. Zugleich erneuerte er die Kritik des Kreml an dem Sender, der seinen "ideologischen Charakter nicht verloren" und in der Vergangenheit noch "tendenziöser" berichtet habe. Putin annullierte damit ein Dekret seines Amtsvorgängers Boris Jelzin von 1991, der Radio Free Europe eine Reihe von Privilegien eingeräumt hatte.

"Propaganda"

In den vergangenen Jahren war es wegen der kritischen Berichterstattung von RFE/RL über Russlands Militäreinsätze in Tschetschenien mehrmals zu Zerwürfnissen zwischen dem Kreml und dem Sender gekommen. In den nach Tschetschenien und in die Ukraine ausgestrahlten Sendungen würden "Informationen selektiv und einseitig übermittelt", sagte der Kreml-Beamte. Diese Anschuldigungen bezeichnete der Chefredakteur der Moskauer Büros von RFE/RL, Andrej Schari, als "Propaganda". Welche Privilegien seinem Sender nun im einzelnen entzogen werden, vermochte Chary am Freitag noch nicht zu sagen. (APA/AFP)

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