Imperial-Gruppe unter Betrugsverdacht

4. Oktober 2002, 21:02
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Razzia bei Linzer Kapitalbeteiligungs- gesellschaft - Bis zu 80 Millionen Euro Schaden befürchtet

Wien/Linz - Gegen vier Verantwortliche der Firmengruppe Imperial Kapitalbeteiligungsgesellschaft mit Sitz in Linz sind gerichtliche Voruntersuchungen eingeleitet worden. Dies erklärte der Pressesprecher des Landesgerichtes Linz, Karl Makovsky, am Freitagnachmittag. Es gehe um den Verdacht des gewerbsmäßigen schweren Betrugs und der Untreue. Laut Gericht könnte sich der Schaden in einer Größenordnung von 80 Millionen Euro bewegen. Das Unternehmen wies am Abend alle Vorwürfe in einer schriftlichen Erklärung zurück.

Makovsky betonte, dass im Zusammenhang mit der Firma Imperial bereits seit längerem Vorerhebungen gelaufen seien. Gerichtssachverständige arbeiteten an dem Fall, jetzt legten sie einen "vorläufigen Zwischenbericht" vor, "welcher offenbar den Tatverdacht in Richtung Untreue und Betrug erhärtete und den zuständigen Staatsanwalt veranlasste, die Voruntersuchung zu beantragen". Diesem Antrag stimmte der Untersuchungsrichter jetzt zu.

"Freiwillige Nachschau"

Gleichzeitig wurden Hausdurchsuchungen angeordnet. Die Verantwortlichen der Firma Imperial - für sie gilt die Unschuldsvermutung - stimmten einer "freiwilligen Nachschau" zu. Zu Mittag schwärmten daher insgesamt rund 70 Personen - Polizeibeamte, Staatsanwalt, Untersuchungsrichter und Sachverständige - aus, um gezielt Unterlagen zu beschlagnahmen.

Laut Makovsky besteht die Firma Imperial aus einer Vielzahl von "untereinander verschachtelten Firmen mit stets wechselnden Rechtsverhältnissen und Beziehungen". Firmensitze gebe es neben Österreich auch in der Schweiz, in Liechtenstein, den Niederlanden, Finnland, England und den USA.

Zum konkreten Tatverdacht erläuterte Makovsky: "Für die Sachverständigen sind nach den bisherigen Ermittlungen Entwicklungsmuster erkennbar geworden, welche regelmäßig zu massiven Nachteilen der Investoren geführt hätten." Es bestehe der Verdacht, dass Investoren Geld in lukrative Unternehmen zum Beispiel im Hotelbusiness und in der Filmbranche steckten, diese Gelder aber "rasch als Aufwand oder Investition wieder das Unternehmen verlassen" hätten und "inner- und außerhalb der Imperial-Gruppe in einen Geldkreislauf getreten seien". Die Finanzmittel seien - so der Verdacht - unter verschiedenen Titeln "aus dem Unternehmen hinausgeleitet worden".

Die Gelder seien nach Ansicht der Sachverständigen "gezielt verausgabt worden, um den Firmenwert so zu vermindern, dass Rückzahlungen der Einlagen möglicherweise nicht erfolgen können", so Makovsky. Unternehmen, in welche investiert worden sei, seien "wertlose Hülsen" geblieben, "welche keine Firmenwerte aufbauen, geschweige denn Anlagegelder zurückführen könnten".

"Es scheint so zu sein, dass die Ursache für die Unternehmensverluste nicht nur in der allgemeinen wirtschaftlich schlechten Lage zu liegen scheinen, sondern im Untreue- und im Betrugsverdacht", sagte der Gerichtssprecher. Die Justiz sei grundsätzlich bemüht, die Beschlagnahme der Imperial-Unterlagen "unter Bedachtnahme auf die Fortführung des Betriebes - also schonend - durchzuführen".

Die Firma Imperial wies "alle Vorwürfe gegen Mitarbeiter entschieden zurück". Das tägliche Geschäft könne "ohne Beeinträchtigung abgewickelt werden". Die Aussendung wurde vom Geschäftsführer des Unternehmens, Faramarz Ettehadieh, unterzeichnet.

Die Imperial Finanzgruppe sei bemüht, in Zusammenarbeit mit den Sachverständigen die bereits seit längerem bekannten Vorwürfe so schnell wie möglich auszuräumen, hieß es. Jene Unterlagen, die der Sachverständige im Zuge des "bekannten Vorverfahrens in Zusammenhang mit Anzeigen von unzufriedenen Investoren" zusätzlich angefordert habe, seien ihm bei einer Hausdurchsuchung freiwillig ausgefolgt worden. (APA)

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