Vernachlässigtes Stottern bei Kindern

10. Oktober 2002, 20:17
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Auch die Eltern bedürfen der Unterstützung - sind sie unsicher, steigt der Druck auf das Kind

Köln - Stottern bei Kindern wird nach Expertenansicht von Ärzten oft zunächst vernachlässigt. "Meistens raten Kinderärzte einfach dazu, abzuwarten", sagte die Dürener Sprachtherapeutin Oranna Christmann am Freitag anlässlich eines Kongresses der Stotterer-Selbsthilfe in Köln. Eltern blieben häufig allein mit ihren Sorgen und wüssten nicht, wie sie mit der Sprachstörung ihres Kind angemessen umgehen sollten.

"Für manche Eltern ist der Leidensdruck größer als für ihr Kind." Das begünstige die Sprechstörung sogar noch, betonte die Logopädin, die seit 1991 Beratungsseminare für Eltern anbietet. "Stottern ist kein individuelles Problem, es handelt sich nicht um eine psychische Störung oder um mangelnde Intelligenz." Eltern sollten das Sprachverhalten ihres Kind genau beobachten, möglichst unter Aufsicht eines Therapeuten. "Wenn das Kind sich beim Stottern anstrengt und anspannt, ist eine Therapie unbedingt nötig", sagte Christmann.

Fünf Prozent aller Kinder zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr stottern ihren Angaben zufolge. Über die Pubertät hinaus bleibe das Problem aber nur noch bei einem Prozent bestehen. Nicht immer müsse das Stottern behandelt werden: "Fühlen sich ein Kind und seine Eltern mit der Störung völlig unbelastet, bedarf es oftmals gar keiner therapeutischen Hilfe", erklärte Christmann. (APA/dpa)

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