Österreichische Wälder belastet

6. Oktober 2002, 19:26
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Luftschadstoffe werden importiert ... und schaden empfindlichen Ökosystemen

Wien - Bei der Belastung österreichischer Wälder mit Luftschadstoffen kann noch keine Entwarnung gegeben werden. Die Emissionen von Schwefeldioxid hätten zwar stark und jene von Stickoxiden und Ammoniak schwach abgenommen, vor allem die Ozonkonzentration sei aber seit den siebziger Jahren angestiegen, erklärte Stefan Smidt vom Bundesamt und Forschungszentrum für Wald Donnerstag nachmittag bei einem Vortrag in Wien. Ein beträchtlicher Teil der Schadstoffe werde importiert - wie auch eine Studie über den Ferntransport von Schadstoffen in empfindliche Ökosysteme zeigt, die ebenfalls am Donnerstag vorgestellt wurde.

Wie Smidt betonte, habe sich seit den achtziger Jahren der "Schadstoffcocktail" von den sauren zu den oxidierenden Komponenten (z.B. Ozon) hin verlagert. Vor allem Ozongrenzwerte würden während der Vegetationsperiode überschritten, und das vor allem in höheren Lagen. Den gesetzlichen Schutz der Vegetation, sowohl auf nationaler wie auf EU-Ebene, bezeichnete Smidt als unzureichend.

Ferntransport von Schadstoffen

Wie sehr selbst sensible Gebiete wie die Nationalparks Hohe Tauern und Kalkalpen den Luftschadstoffen ausgesetzt sind, konnte August Kaiser von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik Wien (ZAMG) in seiner Studie über "Ferntransport von Schadstoffen in empfindliche Ökosysteme" nachweisen. Im Auftrag des Umweltbundesamts hat er dabei erstmals das Zusammenwirken der drei Schadstoffe Stickoxid, Schwefeldioxid und Ozon in Abhängigkeit von den großräumigen Luftströmungen untersucht. Dabei wurden die Immissionen am Sonnblick in 3.105 Metern Seehöhe (Nationalpark Hohe Tauern) und am Zöbelboden im Reichraminger Hintergebirge (Nationalpark Kalkalpen, 899 Meter Seehöhe) gemessen und der Weg der Luftmassen vier Tage lang zurückverfolgt.

Die Untersuchung mit Hilfe der so genannten Trajektorie (dabei wird der Weg untersucht, den ein gedachtes Luftpaket innerhalb eines bestimmten Zeitraums zurücklegt), haben gezeigt, dass die alpinen Regionen mit Schadstoffen belastet werden, die sowohl aus dem nördlichen Alpenvorland, zum Teil bis Tschechien und Südpolen, stammen, als auch von der italienischen Po-Ebene und Slowenien. Im Sommer werden vor allem Stickoxide und Schwefeldioxid mit Nord-West-Strömungen in die alpinen Regionen transportiert.

Durch regionale photochemische Ozonproduktion kommt es im Sommer zusätzlich noch zu einer starken Ozonbelastung. Im Winter dringt dagegen ozonreiche Luft bei Föhn aus größerer Höhe vor und führt etwa am Zöbelboden zu erhöhten Ozon-Konzentrationen. Bei bestimmten Wetterlagen kann selbst aus Slowenien Schwefeldioxid bis in den Nationalpark Kalkalpen vordringen. (APA)

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    Die österreichischen Wälder sind mit Luftschadstoffen belastet.

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