Haider: Nach Austro-Stromlösung Strom-Fusionen

4. Oktober 2002, 15:50
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Verbund-Chef: "Es muss noch enger zusammengerückt werden" - Verbund hat "viele Optionen" für Partnerschaften

Wien - Die österreichische Stromlösung - die den Block von Verbund, Wien Energie, EVN, Energie AG Oberösterreich, Bewag und Begas vereinigen soll - ist für Verbund-Vorstandssprecher Hans Haider der richtige Weg, für dessen erfolgreichen Abschluss aber "noch enger zusammengerückt werden muss". Dies stellt Haider in einem Interview im "WirtschaftsBlatt" (Freitagausgabe) klar. Er will, dass auf die Stromlösung weitere Fusionsschritte folgen. Haider erinnert daran, schon 1994 Wolfgang Schüssel als damaligem Wirtschaftsminister die Zusammenführung von Verbund und Landesversorgern vorgeschlagen zu haben. Im übrigen habe der Verbund selbst "viele Optionen" für Partnerschaften, auch wenn die Stromlösung "präferiert wird".

Befragt, ob man durch die in der Zielgerade befindlichen Stromlösung gegen Einflüsse von außen geschützt sei und zu Gerüchten über strategische Aktien-Aufkäufe an der Börse meint Haider: "Es sind mehrere Unternehmen an der Börse - wir, die EVN und die Burgenland Holding. Wenn ein Unternehmen an der Börse ist, dann muss damit gerechnet werden, dass die Aktien gekauft werden." Mit Ausnahme von einigen Unternehmen sei "schon zum Teil eine Abhängigkeit gegeben". Er, Haider, könne nicht sagen, wer der Käufer sei, "der immer wieder Aktien gekauft hat und den EVN-Kurs hochhält". Haider: "Es muss einen geben, der kauft. Wir sind es nicht."

Keinen Sinn, weiter die EVN-Aktien zu halten

Zu Fragen nach einem allfälligen baldigen Verkauf der Anteile an der niederösterreichischen EVN, die sich im Verbund-Besitz befinden, verweist Haider auf geltende Lage: "Wir als Verbund haben uns hier, nachdem die Energie Austria vor eineinhalb Jahren nicht zu Stande kam, gesagt, dann macht es auch keinen Sinn, weiter die EVN-Aktien zu halten. Und haben die Ermächtigung und den Auftrag zum Verkauf bekommen. Das haben wir getan. Jetzt werden wir sehen, ob sie aufgegriffen oder weitergekauft werden." Aufgreifen könnten "nur die Konsortialpartner und weiterverkaufen tut die Investmentbank".

Anfang September bereits hat der Verbund-Aufsichtsrat die Stromlösung gebilligt. Haider: "Uns hat der Aufsichtsrat grünes Licht gegeben, weiter zu marschieren. Das Ganze ist kartellrechtlich nicht genehmigt. Das wurde einmal ausgeklammert, und jetzt geht es um die Genehmigung". Die kartellrechtliche Prüfung werde "auf jeden Fall auf europäischer Ebene stattfinden". Wie weit das auf Österreich durchschlage, darauf wollte Haider sich nicht festlegen. "Für uns ist Europa der relevante Markt." Und wenn die Stromlösung einmal genehmigt sei, dann werde man sie umsetzen. "Sie können, bevor so etwas genehmigt ist, keine Handlungen setzen."

Gute Ausgangsposition

Haider sieht den Verbund strategisch im Moment in einer guten Ausgangsposition, "weil er viele Optionen offen hat." Natürlich sei die mit Abstand zu präferierende Option die österreichische Stromlösung. "Wir haben immer die Option des Alleinbleibens, und da haben wir auch gezeigt, dass wir in den letzten Jahren durchaus erfolgreich unterwegs sein können", meint Haider - "und wir haben nach wie vor das sowohl vom Aufsichtsrat als auch von den Wettbewerbsbehörden genehmigte E.ON-Projekt". Also sei der Verbund "in einer komfortablen Position, auch wenn wir jetzt die Stromlösung machen wollen". Aber sollten da, wider Erwarten, auf einmal große Probleme auftauchen, habe man andere Lösungen. Da tue man sich leicht.

Haider zu seinen Einschätzungen des Marktes in zwei Jahren bei Realisierung der präferierten Lösung: "Ich gehe davon aus, dass die gemeinsame Handelsfirma mit Abstand Nummer eins in Österreich sein wird, das ist sie heute schon." Sie werde heuer 70.000 GWh aus eigener Produktion und durch Zukäufe verkaufen. Auch die Großkunden-Versorgungsfirma e&s werde es schaffen. "Natürlich wird es Konkurrenz geben - von der Kelag, der Tiwag, möglicherweise der VKW und von allen europäischen Playern." Die Gesellschaft werde sich "am Markt bewähren müssen, keine Frage. Im Privatbereich ist das Modell dagegen das, dass jede Gesellschaft sich der Serviceeinrichtungen bedient, aber den Weg allein geht."

Diskonter

Zur künftigen Rolle der Diskonter (Raiffeisen Ware Wasserkraft, MyElectric, Switch) meint Haider, "Wir haben nicht vor, die Raiffeisen Ware Wasserkraft jetzt aus dem Markt zu nehmen." Obendrein, so glaube er, habe auch Raiffeisen dazu keine Intention. "Wir haben das überhaupt nicht diskutiert."

Bei MyElectric, an der der Verbund nur noch 20 Prozent hält, "haben wir", so erläutert Haider, "mit der Salzburg AG besprochen, dass wir eine Beteiligung an der MyElectric eingehen und umgekehrt die Salzburg AG eine Beteiligung an unserer Stromvertriebstochter für Großkunden, der APC, eingeht. Das werden wir jetzt irgendwann einmal vollziehen." Wenn die Stromlösung kommt, dann werde "die APC vom Verbund abgegeben werden, mit Ausnahme der Kunden, die im Versorgungsgebiet unserer Stromlösungs-Partner tätig sind". Da seien einige Interessenten vorhanden. Die APC gehöre ja auch nicht dem Verbund allein. Sie gehört zu 25 Prozent der Estag, "und abgeschlossene Verträge haben für uns immer Vorrang", so Haider. 15 Prozent gehören der Salzburg AG, "die wir zwar noch nicht verkauft, aber damals in dem Paket angeboten haben".

In den Augen des Verbund-Chefs hat es "keinen Sinn, sich in einer Gruppierung ständig zu konkurrenzieren", mit Ausnahme des Kleinkundenmarktes. Aber in einem Wettbewerbsumfeld sehe er das nicht als problematisch an. "Wir haben beim Strom längst die Situation, dass es Bereiche gibt, die im Wettbewerb stehen, und welche, die davon ausgenommen sind - die Netze."

Preisniveau nähert sich Gestehungskosten

Unmittelbar nachdem der Markt 1999 geöffnet worden sei, seien die Preise für die Energie deutlich unter den Gestehungskosten auch modernster Kraftwerke gelegen. Und jetzt gehe das eben langsam auf ein Preisniveau hinauf, das sich etwa den Gestehungskosten annähere. Haider erwartet in der nächsten Zeit in etwa eine Seitwärtsbewegung. Es hänge auch sehr von den Primärenergiepreisen ab. "Wenn kriegerische Ereignisse ausbrechen, hat das einen dramatischen Einfluss", so Haider.

Die Liberalisierung in Europa werde weitergehen. Die Frage sei nur, wie schnell es gehe und wie schnell es gelinge, Hindernisse zu beseitigen, "nämlich die Leitungsnetze so auszubauen, dass wir zu einem Markt kommen."

Zur österreichischen Stromlösung betont Haider in dem WirtschaftsBlatt-Interview, "ich glaube, dass sie ein wichtiger und richtiger Schritt ist, der weitergetrieben werden muss, um wirklich effizient zu sein. Am Ende einer Reihe von Schritten müssen dann Fusionen stehen", das habe er, Haider, bereits 1994 dem damaligen Wirtschaftsminister und nunmehrigen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) vorgeschlagen. "Jetzt haben wir einmal eine gemeinsame Großkundengesellschaft und Handelsgesellschaft, die auch die Kraftwerke einsatzmäßig steuert." Das sei ein "richtiger, riesiger Schritt". Haider erwartet wörtlich "schon Bereitschaft, weiter, enger zusammenzurücken - aber vielleicht ist die Zeit noch nicht ganz reif".(APA)

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