Kurzfristig Hoffnung, langfristig Geduld

4. Oktober 2002, 15:08
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BA-CA: Keine Entwarnung für Börsen: "Turn-around nicht von heute auf morgen" - Nachhaltiger Aufschwung noch nicht in Sicht

Wien - Kurzfristig bleibt den gebeutelten Börsianern die Hoffnung auf eine technische Reaktion der Aktienmärkte, langfristig denkenden Investoren könnte eine Mischung aus "Mut und Geduld" zum Anlageerfolg führen. Generell gibt das Asset Management der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) aber noch keine Entwarnung. Laut Chefanalystin Monika Rosen steht noch kein nachhaltiger Aufschwung vor der Türe: "Der Turn-around wird nach der schlimmen, zweieinhalbjährigen Baisse nicht von heute auf morgen kommen."

Die gesamtwirtschaftlichen Fundamentaldaten verbessern sich langsamer als erwartet, die Hoffnung auf eine V-förmige Konjunkturerholung ist laut Rosen vom Tisch. Genauer sollte nun die Entwicklung des privaten US-Konsums beobachtet werden. Weitere Schwächezeichen könnten auf einen neuerlichen Abschwung der US-Konjunktur hinweisen, schließlich habe der Konsument "bisher alles am köcheln gehalten", so die Analystin. Aber trotz der schwächelnden Indikatoren laufen die Retail Sales laut Rosen "relativ betrachtet noch recht rund".

Krieg weniger bedeutend als Fundamentaldaten

Zusätzliche Belastungsfaktoren wie der schwelende Irak-Konflikt oder die zuletzt in den Hintergrund getretenen Bilanz-Skandale - wobei hier "weitere Tellerminen nicht auszuschließen sind" - seien aber weniger bedeutend als Fundamentaldaten und Unternehmensgewinne, meint Rosen. Denn entscheidend für die Bewertung der Aktienmärkte von morgen sei, ob die heute erwarteten Gewinne eintreten werden. Für das laufende vierte Quartal ist das laut Rosen immerhin ein durchschnittlicher Gewinnsprung des S&P-500 von gut 20 Prozent.

Speziell für die Technologiebranche "bleibt das Terrain schwierig", das erwartete Gewinnwachstum für 2003 von rund 40 Prozent bezeichnet Rosen als "sehr, sehr ambitioniert". Zwar hat sich das Kurs/Gewinn-Verhältnis für Technologie-Aktien seit der Spitze im März 2000 auf einen Wert von knapp über 25 Prozent fast halbiert, sei aber "deutlich teurer als der Rest des Marktes". Rosen glaubt aber nicht, "dass Technologie zu verteufeln oder tot ist und keinen Platz an den Börsen hat. Es wird auch wieder eine Erholung der Technologie-Aktien geben."

Asset Allocation bleibt bei 40 Prozent Aktienanteil

Die Asset Allocation der BA-CA bleibt mit 40 Prozent Aktienanteil unverändert zum Vorquartal, um in das "vierte Quartal, für das wir eine Erholung für möglich halten, nicht untergewichtet hineinzugehen". Drei Prozent entfallen auf kurzfristige Anlegen, der 57-prozentige Rentenanteil sollte überwiegend im Euroraum investiert werden, nachdem die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen Ende September auf den tiefsten Stand seit 1958 gefallen sind. Den Rentenmärkten sei ein "ganz fantastisches Jahr beschert" worden, die Gefahr von Rückschlägen sei allerdings deutlich gestiegen, so Rosen.

Zinssenkungen

Zinssenkungen hält die BA-CA sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks für wahrscheinlich: In den USA wird auf drei Monate mit 25 Basispunkten gerechnet, die EZB sollte die Zinszügel um 50 Basispunkte lockern. Auch an den Märkten herrsche die Erwartung mittelfristig tieferer Zinsen. Die Auswirkungen derartiger Zinsschritte auf die Börsen hält Rosen für "fraglich", vielmehr sollten dadurch die Auswirkungen der Aktienbaisse abgefedert werden.(APA)

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