"Ich kann mir keinen besseren Außenminister vorstellen"

4. Oktober 2002, 13:19
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Gusenbauer präsentiert Wiener SP-Spitzenkandidaten Petritsch, der nach außen hin "professioneller" agieren möchte

Wien - Die SPÖ hat am Freitag ihren Wiener Spitzenkandidaten für die kommende Nationalratswahl, Wolfgang Petritsch, offiziell vorgestellt. Der Spitzendiplomat zeigte sich über die Nominierung "stolz und erfreut". Er versicherte: "Wir wollen nicht alles anders, aber sehr vieles besser machen." Der ehemalige internationale Bosnien-Beauftragte konzentriert sich auf die Außenpolitik, die in Österreich wieder "professioneller" werden müsse. Chancen für Wien und Österreich biete vor allem die Erweiterung der Europäischen Union.

"Wien wird mehr ins Zentrum, in die Mitte Europas rücken", betonte Petritsch, der sich gemeinsam mit SP-Chef Alfred Gusenbauer und dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl (S) Journalisten-Fragen stellte. Dass die EU-Erweiterung auch Probleme mit sich bringe, sei bekannt: "Man soll nicht naiv in die Erweiterung gehen." Es sei jedoch klar, dass es nur dann möglich sein werde, das Optimum herauszuholen, wenn die Zusammenarbeit zwischen Wien und dem Bund funktioniere - was derzeit nicht der Fall sei.

Der Grund dafür: Die blau-schwarze Koalition bestehe aus zwei "inkompatiblen Elementen", nämlich der ÖVP, "die vorgibt, eine Europapartei zu sein" sowie der "Anti-Europapartei" FPÖ. Die SPÖ werde hingegen "systematisch herausarbeiten", dass sich Österreich zwei Säulen der Außenpolitik widmen müsse, nämlich einer europäischen sowie einer globalen Agenda.

Vor allem die Rolle Wiens als UNO-Standort Wien solle in Zukunft verstärkt hervorgehoben werden. Und auch in der Sicherheitspolitik müsse man sich engagieren. Österreich und Europa solle sich dabei auf eine aktive Solidaritäts- und Friedenspolitik konzentrieren, forderte Petritsch.

Auch SP-Chef Gusenbauer versicherte: "Die Erweiterung bleibt das wichtigste außenpolitische Projekt für Wien und Österreich." Er betonte: "Mit Vetodrohungen lassen sich außenpolitische Probleme nicht lösen." In Sachen Benes-Dekrete zeigte er sich zuversichtlich, dass bestehende Hindernisse "aus dem Weg geräumt" werden könnten. "Was zwischen Deutschland und Tschechien möglich war, nämlich eine Geste der Versöhnung, muss auch für Österreich und Tschechien möglich sein", so Gusenbauer.

Ob Wolfgang Petritsch im Falle einer SP-Regierungsbeteiligung der nächste SPÖ-Außenminister wird, darüber wollte sich der Wiener Listenerste noch nicht äußern: "Konsequenzen werden sich auf Grund des Wahlergebnisses ergeben. Es hat noch keinen Sinn, über Positionen und Koalitionen zu spekulieren." SPÖ-Chef Gusenbauer meinte jedoch dazu: "Ich werde jetzt kein Ressort vergeben. Aber ich kann mir keinen besseren Außenminister vorstellen." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Gusenbauer mit seinem Wunschkandidaten fürs Außenministerium, Wolfgang Petritsch

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