Erholung erst 2003

4. Oktober 2002, 15:58
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Experten erwarten Zinssenkungen in den USA und Europa - "Angst ist Mutter aller Investmentüberlegungen"

Alpbach - Unsicherheit überschattet derzeit nicht nur die Finanzmärkte, sondern - viel stärker noch als sonst - auch die Prognosen. Die alljährlich von namhaften Banken erstellte Zins- und Währungsprognose im Rahmen des Finanzsymposiums Alpbach fielen heuer kontrovers aus wie selten, stehen sie heuer doch ähnlich wie 2001 massiv unter dem Eindruck erhöhter Unwägbarkeiten. Dazu zählt die aktuelle geopolitische Situation vor einem möglichen Militärschlag gegen den Irak ebenso wie die weltweit anhaltend schwache Konjunktur, wobei insbesondere Japan und Deutschland als Sorgenkinder gesehen werden.

Übereinstimmend erwarten die fünf beteiligten Institute - Raiffeisen Zentralbank (RZB), Raiffeisen Landesbank NÖ Wien, Erste Bank, Investkredit Bank und Österreichische Volksbanken (ÖVAG) - eine echte Konjunkturbelebung frühestens erst ab nächstem Jahr. Dieser Entwicklung dürften die Notenbanken in den USA und Europa mit Zinssenkungen nachhelfen, meinten die Experten am Freitag in Alpbach.

Aus den diesjährigen Prognosen von fünf Banken, die Donnerstag fertig gestellt wurden, lassen sich kaum große Trends für die wichtigsten Weltwährungen und Zinssätze ableiten. Fast einhellig wird nur erwartet, dass sich der Euro bis Ende Juni 2003 zum US-Dollar knapp über der Parität bei einem Mittelwert um 1,0190 (Donnerstag: 0,9885) einpendeln sollte.

"Angst ist Mutter aller Investmentüberlegungen"

"Angst ist derzeit die Mutter aller Investmentüberlegungen", formuliert Chefanalyst Peter Brezinschek von der Raiffeisen Zentralbank (RZB), der den Schlüssel für die weitere Entwicklung vor allem in den Aktienmärkten ortet. Diese sieht er derzeit überschattet von Bilanz-, Konkurs-, Rezessions-, Kriegs- und Terrorängsten, weshalb es in den kommenden Monaten zu weiteren Tiefständen kommen dürfte.

Derzeit dominiere das Prinzip der Risikovermeidung. Dabei sei die Konjunktur in den USA mit einem Wachstum von 3,2 Prozent im ersten und geschätzten 2,5 Prozent im zweiten Halbjahr nicht so schlecht, meint Brezinschek, der vor "Totengräbern der Konjunktur" warnt, die "ein gefährliches Spiel spielen".

IHS-Helmenstein hält Negativstimmung für überzogen

Auch Christian Helmenstein vom Institut für Höhere Studien (IHS) hält die aktuelle Negativstimmung für überzogen: "Die USA nehmen uns die Waren, wir ihnen den Pessimismus ab", sagte er beim diesjährigen Alpbacher Finanzsymposium in Tirol.

Eine der größten Unwägbarkeiten für die Prognosen stellt die Kriegsgefahr im Irak dar, die in unterschiedlichem Ausmaß in den Prognosen berücksichtigt ist:

Die Erste Bank etwa geht von einem Militärschlag noch in diesem Jahr aus, mit "sehr wahrscheinlichen" Belastungen für die Wirtschaftsentwicklung in den USA und weltweit. (APA)

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