Mausileum in Lack und Leder

4. Oktober 2002, 19:47
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Statt eines Kinos plant Richard Lugner einen SM-Palast

Wien - Aus der Mausialm in Wien könnte eine Mausefalle werden: Dort, wo an der Ecke Gablenzgasse/Gürtel derzeit noch (wenn sie nicht gerade entführt ist) die nach der Gattin des omnipräsenten Baumeisters benamste Plastikkuh in aller Ruhe zwischen Abgasen Gürtelgras wiederkäut, dort könnte bald ein Palast der schmerzevozierten Körperflüssigkeitsspiele stehen.

Richard Lugner, der Peinigung des Mitmenschen durch subtile (Selbstdarstellungs-) Mittel noch nie abhold, erwägt nämlich, hier einen Sado-Maso-Tempel zu errichten. Freilich: So weit, das Publikum in Clockwork-Orange-Manier per Kopf- und Augenklammern zu zwingen, Lugners Familienfotos, Homevideos und Küchenplaudereien zu erleben, wagt sich der Baumeister nicht (das tut ohnehin die Lugner-Soap auf ATV) - der Mörtel der Nation will derselben ein Mausileum in Lack und Leder gönnen.

Ursprünglich sollte an diesem Ort ja das "Lugnerplex" entstehen. Noch bei der Eröffnung des - mittlerweile geschlossenen Cinestar-Palastes am Wienerberg trat das unvermeidliche Duo an, um dort "Lovechairs" zunächst auf Knutschkompatibilität zu testen - und dann zu vermessen: "Die anderen gehen ein - unser Kino kommt. Mit den besten Sitzen", erklärte Richard der Lichtspieler damals.

Nun ist alles anders. Das Kino ist tot. An dessen Stelle soll das familieneigene Einkaufszentrum bis an den Gürtel wachsen. Dafür fehlt Lugner freilich die notwendige Flächenwidmung.

Ob die Ankündigung, seiner Frau gegebenenfalls eben ein Domina-Zentrum zu widmen, eine Drohung ist, ist allerdings umstritten: Lugner-Auftritte haben schließlich längst Kultcharakter - in einer Gemeinde, die das Etikett "Hardcore" mit Würde zu tragen weiß. (DER STANDARD, Printausgabe, 5.10.2002)

von Thomas Rottenberg
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