Elektronische Avantgarde in Kremser Turbinenhalle

4. Oktober 2002, 11:11
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Internationale Künstler wie Mira Calix und Pan Sonic bei "Prototype"-Festival in Niederösterreich

Krems - Die Turbinenhalle des EVN-Wärmekraftwerks Theiss bei Krems wird amSamstag zum Schauplatz eines musikalischen Events der anderen Art: Das Electronic Music Festival "Prototype" präsentiert ein "hochkonzentriertes Destillat der weltweit wichtigsten Protagonisten und Vertreter der avancierten elektronischen Musikszene". Gleichzeitig wird die permanente Sound-Installation des österreichischen Soundkünstlers Franz Pomassl eröffnet.

Große Namen

13 Elektroniker werden auftreten, darunter die finnischen "Soundterroristen" Pan Sonic, der exaltierte amerikanische Elektronik-Transgender Terre Thaemlitz, der deutsche Prix Ars Electronica-Preisträger Carsten Nicolai und die südafrikanisch-britische Musikerin Mira Calix. Alle spielen auf eigens entwickelten Instrumenten, um autonom und unabhängig vom kommerziellen Markt für elektronische Musik produzieren zu können - daher der Untertitel von "Prototype": "Armaments & Armatures against Electronic Music".

Begleitend zum Festival wird eine CD mit einem Katalogheft erscheinen. Die ORF-Sendung "Treffpunkt Kultur" wird am Montag, dem 7. Oktober, einen Beitrag über "Prototype" und die Sound-Installation von Franz Pomassl zeigen.

Klang-Raum

Im Auftrag des EVN-Kunstrates realisiert der Künstler in der 30 Meter hohen, zylinderförmigen Halle (der Denox-Entstickungsanlage, Anm.) des Kraftwerks - laut Aussendung der Festival-Veranstalter einer der schönsten Industriebauten Österreichs - seine erste permanente Klanginstallation. In der seit 1995 bestehenden EVN-Sammlung internationaler, zeitgenössischer Kunst ist Pomassls Arbeit die erste, in der das Material Klang im Mittelpunkt steht. Das vom Wiener Architektenbüro Katzberger & Bily designte Kraftwerk Theiß hat sich in den vergangenen Jahren als Veranstaltungsort einen Namen gemacht.

Die Klangräume generieren auch sensorische Extremsituationen, erläutert der Kulturhistoriker und Radiojournalist Wolfgang Kos. Anfangs stelle sich zumeist ein "Gefühl von Destabilisierung und Enträumlichung" ein, dem eine Phase des Eintauchens und der gesteigerten Selbstwahrnehmung folgen kann - sofern man nicht abblockt und nur darauf achtet, den Notausgang zu finden. Pomassl geht es um körperbezogene Hör-Totalität, bei der der ganze Körper zur Membran wird. (APA)

"Prototype", EVN-Kraftwerk Theiß (Stratzdorf) bei Krems, 5. Oktober, ab 16.00 Uhr

Sound-Installation: 17.00 Uhr, der Eintritt ist frei
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