Impfschutz durch die Banane

6. Oktober 2002, 19:16
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... der Idealfall bei Einsatz der Gentechnik

Würzburg - Mit Hilfe der Gentechnik wollen Wissenschafter Pflanzen erzeugen, die Impfstoffe produzieren. Dies würde nicht nur die Herstellung, sondern auch die Verabreichung der Präparate revolutionieren, sagt Heribert Warzecha vom Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Im Idealfall könnten dann beispielsweise Kinder durch den Verzehr einer Banane oder von Salat den Impfschutz erhalten, den sie bisher mit einer Spritze bekämen.

Bis solche Vorstellungen Wirklichkeit sind, müssen allerdings Warzecha zufolge noch eine Reihe von Problemen gelöst werden. "Zuerst müssen die Pflanzen so verändert werden, dass sie das Antigen in ausreichender Menge produzieren, und das ist kein einfaches Unterfangen", erklärte er. Auch die Auswahl der Pflanzen sei schwierig, denn bisher gelinge eine gentechnische Veränderung nur bei relativ wenigen Arten. Zudem müsste man die fertige Impfpflanze noch verarbeiten, um eine gleichmäßige Dosierung zu erreichen. Auch hier seien noch viele Fragen offen. Der Wissenschafter kann sich jedoch vorstellen, Kindern Saft oder Brei mit einer genau bekannten Menge Impfstoff zu verabreichen.

Bausteine zur Anregung einer Immunantwort

Eine weitere Schwierigkeit besteht laut Warzecha darin, Pflanzen zu erzeugen, die sich außerhalb des kontrollierten Anbaus nicht verbreiten können. Der Wissenschafter verweist auch auf erste Erfolge in seinem Forschungsgebiet. So würden einzelne Bausteine von Krankheitserregern wie zum Beispiel des Hepatitis-B-Virus oder der Durchfall auslösenden Escherichia-coli-Bakterien erfolgreich in Tomaten und in Kartoffeln produziert. Klinische Studien an Tier und Mensch haben laut Warzecha gezeigt, dass durch den Verzehr von Erdäpfeln sogar eine spezielle Immunantwort im Körper angeregt wurde. Die Gefahr einer Infektion bestehe nicht, da es sich bei den Antigenen nicht um komplette Erreger handle.

Schon vor einem Jahr hatte der Amerikaner Hugh Mason mit seiner Idee, Bananen als Impfstoff gegen Gelbsucht zu entwickeln, für Aufsehen gesorgt. Als sich herausstellte, dass Bananen das Präparat nicht in ausreichender Konzentration herstellen konnten, war Mason auf Kartoffeln umgestiegen. Aber auch hier gab es Probleme: Damit die Impfung wirkte, musste die Knollenfrucht roh gegessen werden und außerdem war sie lediglich zur Auffrischung bereits bestehender Impfungen geeignet. (APA/AP)

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