Russland bekräftigt Ablehnung einer neuen Irak-Resolution

4. Oktober 2002, 15:42
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Türkei setzt Truppen in Kurdengebieten in erhöhte Einsatzbereitschaft - Zusammenhang mit möglichem US-Angriff nicht ausgeschlossen

Moskau/Ankara - Russland lehnt nach den Worten des stellvertretenden Außenministers Juri Fedotow weiterhin eine neue UNO-Resolution zur Frage der Waffeninspektionen im Irak ab. "Die bestehenden Resolutionen des Sicherheitsrats zur Irak-Frage sind genug, es besteht kein Bedarf, weiter reichende Resolutionen zu entwerfen", sagte Fedotow am Freitag der Nachrichtenagentur ITAR-TASS. Die Türkei trifft nach Medienberichten bereits Vorkehrungen, die mit einem US-Angriff auf den Irak im Zusammenhang stehen könnten. Bulgarien bot seine Unterstützung im Falle eines von der UNO genehmigten Angriffs auf den Irak an.

Moskau arbeitet angeblich an eigenem Resolutionsentwurf

Mit der Ablehnung einer neuen UN-Resolution steht Russland im Gegensatz zu den USA und Großbritannien, die auf einen verschärften Text mit der Androhung von Gewalt gegen den Irak dringen. Russland könnte als ständiges Mitglied des Weltsicherheitsrats eine solche Resolution mit einem Veto blockieren. Moskau gilt seit den Zeiten der Sowjetunion als Verbündeter der Regierung von Saddam Hussein im Irak. Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Freitag eine schnellstmögliche Rückkehr der UNO-Waffeninspektoren in den Irak gefordert. Es sei dringend erforderlich sicher zu stellen, dass der Irak frei von Massenvernichtungswaffen sei, teilte Putin in Moskau mit. Dazu müsse der Irak die entsprechenden Resolutionen der Vereinten Nationen (UNO) umsetzen.

Bulgarien will möglichen Angriff logistisch unterstützen

Bulgarien will einen möglichen Angriff auf den Irak logistisch unterstützen, sofern die Vereinten Nationen einem solchen Militärschlag zuvor zugestimmt haben. Der bulgarische Verteidigungsminister Nikolai Swinarow sagte am Freitag, sein Land werde seinen Luftraum sowie den Flughafen Sarafowo zur Verfügung stellen, der rund 400 Kilometer östlich von Sofia liegt. Während des Krieges in Afghanistan waren amerikanische Tankflugzeuge am Flughafen von Sarafowo stationiert.

Teile der türkischen Streitkräfte in erhöhter Alarmbereitschaft

Die türkische Armee hat einem Zeitungsbericht zufolge Teile ihrer Streitkräfte in der Nähe der Grenze zum Irak in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt. Die für die Grenzregion zuständige 2. Armee habe vom Generalstab in Ankara den Befehl erhalten, die Kampfbereitschaft ihrer Einheiten zu überprüfen, berichtete die Zeitung "Hürriyet" am Freitag. Der Befehl hängt möglicherweise mit der für Freitag geplanten Zusammenkunft des Parlamentes der Kurden in Nordirak zusammen. Die türkische Regierung hatte in den vergangenen Tagen erklärt, sie werde notfalls mit militärischen Mitteln eingreifen, wenn die nordirakischen Kurden die staatliche Unabhängigkeit anstreben sollten.

Türkei will Grenze zum Irak bei möglichem Angriff schließen

"Hürriyet" berichtete weiter, die Türkei wolle im Fall eines US-Angriffs auf den Irak seine Grenze schließen und mögliche Flüchtlinge aus dem Irak auf irakischem Territorium in Lagern unterbringen. Die Hilfsorganisation Roter Halbmond rechne zu Beginn einer Militäraktion mit 80.000 Flüchtlingen. Sollten die Kämpfe länger andauern, könne die Zahl der Flüchtlinge auf bis zu 500.000 steigen.

Nach israelischen Presseberichten haben die USA mit Vorbereitungen zur Zerstörung irakischer Startrampen für Scud-Raketen begonnen. Mit Hilfe dieser Rampen könnte die Regierung in Bagdad die Raketen russischer Bauart im Kriegsfall auf Israel abfeuern. Wie die Tageszeitungen "Maariv" und "Yediot Ahronot" am Freitag berichteten, planen die US-Truppen gleich zu Beginn eines möglichen Militärschlags auf den Irak einen massiven Angriff mit Bodentruppen im Westen des Irak, um so einen Raketenangriff auf Israel zu verhindern.

Bagdad hatte während des Golfkriegs Anfang 1991 insgesamt 41 Scud- Raketen auf Israel abgeschossen, von denen 39 in Israel landeten. Dabei war ein Israeli getötet worden. Israel hat mit Vergeltungsangriffen auf den Irak gedroht, falls Saddam Hussein nach einem Angriff der USA mit Raketen oder Langstreckenbombern angreifen sollte.

Israel rechnet nicht mit baldigem Angriff

Israels Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer erklärte in dieser Woche, er rechne nicht unbedingt mit einem irakischen Angriff. Auch der frühere Ministerpräsident Ehud Barak, Ex-Generalstabschef der israelischen Streitkräfte, vertrat die Ansicht, dass die Angriffsmöglichkeiten des Irak mit etwa 14 Startrampen relativ gering seien.(APA/AP/dpa)

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