Guatemala: Offizier gab Mordbefehl gegen Menschenrechtsaktivistin

4. Oktober 2002, 14:51
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Zu 30 Jahren verurteilt

Guatemala-Stadt - Ein Gericht in Guatemala hat am Donnerstag einen früheren hochrangigen Offizier wegen der Ermordung einer Menschenrechtsaktivistin zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach einmonatiger Verhandlung befand die Strafkammer den Oberst a.D. Juan Valencia Osorio für schuldig, die Ermordung der Anthropologin Mirna Mack im Jahr 1990 angeordnet zu haben. Das Gericht setzte die Höchststrafe gegen Valencia fest, der eine leitende Stellung in der Präsidentengarde hatte. Zwei mit ihm angeklagte hohe Militärs wurden freigesprochen. Der Täter Noel Beteta Alvarez, Mitglied der Präsidentengarde, wurde bereits wegen Mordes verurteilt und verbüßt eine Haftstrafe von 25 Jahren.

Mack hatte sich während des jahrzehntelangen Bürgerkrieges in dem mittelamerikanischen Land für vertriebene Bauern eingesetzt. Die 39-jährige Anthropologin war im September 1990 vor ihrem Büro in Guatemala-Stadt mit 27 Messerstichen tot aufgefunden worden. Motiv für den Mord war nach Darstellung der Staatsanwaltschaft ein kritischer Bericht Macks über die Verantwortung staatlicher Stellen für den Tod von mehreren hundert Indios.

Der Krieg zwischen Militär und linksgerichteter Guerilla in Guatemala ging erst Ende 1996 mit einem Friedensvertrag zu Ende. Er hatte mehr als 200.000 Menschenleben gefordert. Eine Wahrheitskommission machte 1999 das Militär für den weitaus größten Teil der Menschenrechtsverletzungen verantwortlich. Guatemala war bis 1986 eine Militärdiktatur, und auch in den folgenden Jahren blieben die Uniformierten die eigentliche Macht im Staate.

Der am Donnerstag beendete Prozess war erst der zweite seit Ende der Bürgerkrieges, bei dem ehemalige Militärs auf der Anklagebank sitzen. Im vorigen Jahr waren drei Offiziere wegen der Ermordung des Bischofs Juan Gerardi im April 1998 zu je 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden. (APA/dpa)

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    Juan Valencia Osorio wird in seine Zelle gebracht.

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