In jeder Minute ein Mord

3. Oktober 2002, 21:39
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Täglich werden weltweit im Durchschnitt 1424 Menschen ermordet - Alle 40 Sekunden begeht ein Mensch Selbstmord - WHO stellt Bericht zu Gewalt vor

Genf - Gewalt führt zu weltweit 1,6 Millionen Todesfällen pro Jahr. Die Hälfte davon sind Selbsttötungen, 30 Prozent Morde. 18 Prozent der getöteten Menschen sind Opfer von bewaffneten Konflikten. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht der UN-Weltgesundheitsorganisation WHO, der am Donnerstag in Genf veröffentlicht wurde.

Täglich werden weltweit im Durchschnitt 1424 Menschen ermordet, fast ein Mord pro Minute, heißt es in der Studie. Alle 40 Sekunden begeht ein Mensch Selbstmord, und Kriege sowie andere bewaffnete Auseinandersetzungen töten 35 Menschen pro Stunde.

Alkohol als Ursache

Die Zahl der gewaltsamen Todesfälle sind in armen Ländern zweimal höher als in reichen, dabei gibt es jedoch regionale Unterschiede. In Afrika und auf dem amerikanischen Kontinent sind Morde dreimal häufiger als Suizide. In Asien und Europa dagegen sind Selbstmorde zweimal häufiger als Morde.

Von 520.000 Morden im Jahr 2000 wurden 199.000 durch Gewalt unter Jugendlichen bis zu 29 Jahren verursacht, vor allem in Afrika und Lateinamerika. Ursache sind laut Studie Alkohol, Drogen sowie der Zugang zu Waffen.

Mehr als die Hälfte der ermordeten Frauen wurden von ihrem Ehemann, dem aktuellen oder früheren Partner umgebracht. Zudem errechneten die Experten, dass jede vierte dieser Frauen während des Lebens sexueller Gewalt ihres Partners ausgesetzt war.

"Gewalt ist teuer"

Auch die Misshandlung von alten Menschen nimmt zu. Rund fünf Prozent von ihnen sind Opfer von Gewaltanwendung im Familienkreis, aber auch Übergriffe in Heimen sind häufig.

Gewalt ist teuer, hält der Bericht fest. Entsprechende Aus-gaben des Gesundheitswesens können in Ländern wie Kolumbien bis zu fünf Prozent des Bruttoinlandprodukts umfassen. In den USA kostet die Behandlung von Schussverletzungen jährlich 126 Milliar-den Dollar (knapp 128 Milliar-den Euro).

Als Gegenmaßnahmen empfiehlt die WHO Ausbildungsprogramme zur Konfliktbewältigung sowie eine verstärkte Unterstützung für Opfer. Die UNO-Organisation betont zudem, eine Ursache für Gewalt sei soziale Ungerechtigkeit. (sda, DER STANDARD Printausgabe 4.10.2002)

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