Ordentliches Desaster

4. Oktober 2002, 13:29
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Die Ordensverleihung an Gianfranco Fini hätte sorgfältiger geprüft werden müssen - Meint Christoph Prantner

Na, habe die Ehre! Der Orden an Gianfranco Fini hat ein diplomatisches Desaster ersten Ranges ausgelöst. Die Außenpolitiker rund um den Ballhausplatz - ob nun in der Hofburg, dem Außenministerium oder auch im Bundeskanzleramt - sind bis auf die Knochen blamiert. Und sie müssen sich durchaus berechtigte Sorgen um ihren Ruf als professionelle Auslandsvertreter der Republik Österreich machen.

Finis Ehrung war "ignorant, dilettantisch und peinlich", wie die auf beiden Seiten des Brenners fuchsteufelswilden Tiroler auf ihre gerade Art sagen. Dem ist inhaltlich nichts hinzuzufügen. Die Frage nach der Verantwortung für die außenpolitische Pleite aber bleibt weiter unbeantwortet. Wie oft diese zweifelhafte "Auszeichnung" auch zwischen Präsidentschaftskanzlei und Außenministerium hin- und hergereicht wird, sicher ist: Außenamt und Präsident hätten sorgfältiger prüfen müssen, welche Konsequenzen ein Orden für den italienischen Postfaschistenführer zeitigen könnte. Wer wie Klestil und Ferrero-Waldner in einer Reiserallye rund um den Globus außenpolitische Kompetenz beweisen will, darf höchste Ehrungen der Republik einfach nicht wie Faschingsorden austeilen.

Auch der Verweis auf "diplomatische Usancen" und eine mögliche Brüskierung Italiens reicht als Erklärung nicht aus. Bei "Arbeitsbesuchen" oder "offiziellen Arbeitsbesuchen" werden keinerlei Ehrungen ausgetauscht. Bei Staatsbesuchen ist das zwar üblich, aber eben nicht zwingend vorgeschrieben. Wirklich diplomatisch wäre es deswegen gewesen, gleich im Voraus auf einen Ordensaustausch zu verzichten. Dann könnte Fini jetzt nicht feixend mit seinem Großen Goldenen Ehrenzeichen am Bande hausieren gehen - und die österreichische Diplomatie hätte keinen Scherben auf.(DER STANDARD, Printausgabe, 4.10.2002)

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