Schaffnerlos

3. Oktober 2002, 19:40
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Seit dem Rebellentreffen in Knittelfeld bekommen die Freiheitlichen die Beine nicht mehr auf den Boden - Ein Kommentar von Walter Müller

Seit dem Rebellentreffen in Knittelfeld bekommen die Freiheitlichen die Beine nicht mehr auf den Boden. Seither ist diese Partei völlig von der Rolle, da änderte auch die Installierung einer neuen Parteiführung nichts daran. Mit dem - vorläufigen - Rückzug Jörg Haiders hat die FPÖ auch ihre Identität verloren.

Die FPÖ ist und war eine Art Haider-Sekte und jetzt, da er weg ist, herrscht heilloses Durcheinander. Personell wurde zwar im Eilzugstempo eine Hilfstruppe zusammengestellt, inhaltlich aber stolpert die Partei durch den Vorwahlkampf. Alte populistische Versatzstücke aus der Haider-Zeit werden überhastet wieder ausgepackt und behelfsmäßig zu einem Wahlprogramm zusammengefügt. Aber wie man es auch wendet: Der politisch Untote aus Kärnten hat auch hier die Hand drauf.

Stark an Gewicht gewonnen haben in dieser Situation die Aufrührer von Knittelfeld. Ihre radikalen Positionen zur EU-Erweiterung, die Forderung nach einer Steuersenkung noch 2003 und einer Abkehr in der Abfangjäger-Politik mutierten in den letzten Wochen zur offiziellen Linie der FPÖ. Parteichef Mathias Reichhold - so scheint es - weiß nicht recht, wie ihm geschieht. Er musste um des ohnehin brüchigen Parteifriedens wegen zuletzt etliche Pirouetten aufs politische Parkett legen: Einmal für Vetodrohungen, dann wieder dagegen, einmal für Abfangjäger, dann ging's plötzlich auch ohne. Und es zeigt sich dabei: Die FPÖ bleibt im Ringen um eine neue Identität hin- und hergerissen zwischen jenen, die in altbewährter populistischer Oppositionsmanier wieder nach oben kommen wollen, und jenen, die mit einem Kuschelkurs wieder ins Koalitionsbett mit der ÖVP wollen.

Und so schlingert sie dahin. Die FPÖ. Schaffnerlos.

(DER STANDARD, Printausgabe, 4.10.2002)

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