"Das braucht Zeit zum Einrenken"

3. Oktober 2002, 19:17
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Koordinator für deutsch- amerikanische Beziehungen zuversichtlich

Nach Einschätzung des Koordinators der deutschen Bundesregierung für die deutsch-amerikanischen Beziehungen, Karsten Voigt, "wird es einige Zeit dauern", bis das Verhältnis zwischen Berlin und Washington wieder gekittet ist. "Es hat einige Probleme im Umgang mit den Spitzen der Regierung gegeben. Die atmosphärischen Strömungen werden irgendwann wieder bereinigt sein."

Bis wann, darauf wollte sich der profilierte SPD-Außenpolitiker im STANDARD-Gespräch nicht festlegen. "Das braucht seine Zeit, aber das wird sich wieder einrenken." Vor allem die deutsche Seite müsse sich um Schadensbegrenzung bemühen. Dass es Kompensationen - etwa die Übernahme von mehr Aufgaben in Afghanistan oder dem Balkan durch deutsche Soldaten - gebe, bestritt Voigt.

Auf der Fachebene seien die Kontakte reibungslos weitergegangen, so Voigt: "Das wird auch bei der Regierungsspitze bald wieder so sein." Auf die Frage, ob es nicht ein Affront sei, dass es keine Glückwünsche aus Washington zum Wahlsieg gegeben habe, antwortet Voigt diplomatisch: "Über Stilfragen möchte ich nicht streiten."

Aber in Berlin ist mit Aufmerksamkeit registriert worden, dass US-Präsident George Bush Deutschland zum zwölften Jahrestag der Wiedervereinigung am Donnerstag gratuliert hat - in einem Schreiben an Bundespräsident Johannes Rau. Bush erinnerte an die historischen Verbindungen beider Völker, "die sich durch die gemeinsame Verpflichtung zu demokratischen Werte vertieft haben".

Vermittlung Blairs nicht nötig

Nach Einschätzung Voigts brauche die Berliner Regierung den britischen Premier Tony Blair, den Bundeskanzler Gerhard Schröder besucht hatte, als Mittelsmann nicht. "Man soll da nicht so viel hineingeheimnissen." Voigt betonte, dass es gemeinsame Auffassungen zwischen Berlin und Washington gebe: bei der Charakterisierung des Regimes im Irak und dass ein Streben nach Massenvernichtungsmitteln unterbunden werden müsse. Es gebe aber Differenzen bei der Methode.

Von einem Antiamerikanismus könne bei Schröder nach Einschätzung von Voigt indes nicht die Rede sein, Schröder habe eine sehr positive Grundeinstellung gegenüber den USA. "Im Wahlkampf können aber innenpolitische Ereignisse außenpolitische Diskussionen beeinflussen", so Voigt.

Schröder betonte nach einem Gespräch mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac in Paris, er bleibe bei seiner Ablehnung einer militärischen Intervention gegen den Irak.(DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.10.2002)

Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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