Verbund erhöht Spannung in Italien

3. Oktober 2002, 19:09
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Energiekonzern zieht es aufgrund höherer Preise und stärkerer Nachfrage in den Süden

Wien - Der Verbund will seine Position in Italien im Rahmen der Auslandsexpansion weiter ausbauen. Grund für den Drang nach Süden: In Italien sind höhere Preise als in Deutschland, dem größten Verbund-Auslandsmarkt, zu erzielen. Dazu kommen deutlich höhere Zuwachsraten bei der Energienachfrage. Die wichtigste Vertriebsschiene des Verbunds in Italien ist Energia, ein Joint Venture mit der Cir-Holding des italienischen Industriellen DeBenedetti, an dem der Verbund 26,6 Prozent hält.

Im Vorjahr hat der heimische Wasserkraftkonzern im Nachbarland an 800 Großkunden rund vier Terrawattstunden Strom verkauft. Das entspricht einem Achtel der Erzeugungskapazität in Österreich. Bis 2006 soll der Absatz auf zehn Terrawattstunden klettern. Dieser geplante Zuwachs kann jedoch wegen fehlender Leitungskapazitäten im Kanaltal (Friaul) nicht über Exporte gedeckt werden.

Doppelstrategie

Daher hat das Unternehmen eine Doppelstrategie eingeschlagen: In den nächsten Tagen soll es grünes Licht für den Bau eines Gaskraftwerks am Gargano in Mittelitalien geben. Gleichzeitig hat sich der Verbund in einem Bieterkonsortium um die zum Verkauf stehende Kraftwerksgesellschaft Interpower beworben.

Dieses Unternehmen ist das dritte und letzte, dass der italienische Exmonopolist Enel gemäß Regierungsauflage veräußern muss. Energia hat für den Interpower-Kauf eine Allianz mit dem belgischen Stromproduzenten Electrabel und der römischen Elektrizitätsgesellschaft Acea geschlossen. Allerdings will der Verbund für Interpower nicht jeden Preis zahlen, sagt Energia-Verwaltungsratschef Günther Rabensteiner.

Verbund auch im Gasgeschäft

Dennoch ist er guter Hoffnung, dass das Konsortium den Zuschlag erhält, weil die größten Player in Italien nicht mehr mitbieten können: Spaniens Endessa hat den Zuschlag für den Erzeuger Elettrogen erhalten, die Montedison-Tochter Edison bei Eurogen.

Anders als in Österreich ist der Verbund in Italien auch ins Gasgeschäft eingestiegen. Heuer peilt der Konzern eine Verkaufsmenge von 531 Mio. Kubikmeter an, bis 2006 sollen es zwei Mrd. Kubikmeter werden, das ist rund ein Viertel des österreichischen Gesamtverbrauchs.

Das Erdgas kommt über eine Pipeline aus Libyen in Nordafrika. Der Verbund konnte sich damit einen erklecklichen Teil jener Gasmenge sichern, die die Eni/Agip-Gruppe im Rahmen der Liberalisierung des Gasmarktes veräußern musste. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 4.10.2002)

Von Clemens Rosenkranz
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