Prozess um "Leiche in der Blumenecke": Lebenslänglich bestätigt

3. Oktober 2002, 19:25
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Oberösterreicher, der einen Bekannten getötet und Teile der Leiche einbetoniert haben soll - für zurechnungsfähig befunden

Steyr - Im Prozess um die "Leiche in der Blumenecke" befanden die Geschworenen am Donnerstag am frühen Abend den Angeklagten für voll zurechnungsfähig. Das seinerzeitige Urteil - lebenslängliche Haft und Einweisung in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher - wurde bestätigt. Der Verteidiger meldete neuerlich Nichtigkeit und Berufung an, das Urteil ist damit nicht rechtskräftig.

Zurechnungsfähigkeit oder geistige Abnormität

In dem neuerlichen Prozess ging es nicht mehr um die Frage, ob der Angeklagte die Tat begangen habe, sondern darum, ob er zur Tatzeit nicht zurechnungsfähig gewesen sei oder ob eine geistige Abnormität vorlag. Die intensive Beratung der Frage der Zurechnungsfähigkeit dauerte rund zweieinhalb Stunden, dann entschieden die Geschwornen einstimmig: Der Angeklagte war voll zurechnungsfähig. Die Konsequenz: Es blieb bei der Strafe von lebenslänglicher Haft und der Einweisung in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher. Diese Verurteilung aus dem ersten Prozess war vom Obersten Gerichtshof aufgehoben worden, weil damals die Frage der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten nicht ausreichend geklärt worden sei. Dass er die Tat begangen habe, das war nach Ansicht der Höchstrichter unbestritten.

Im jetzigen neuerlichen Prozess wurden daher mehr als ein Dutzend Zeugen sowie auch diverse Sachverständige befragt. Sie berichteten, dass der Angeklagte vor allem unter dem Einfluss von Alkohol und auch Drogen zu Aggressionen neige. Der Angeklagte beteuerte, sich an die Tat nicht erinnern zu können, weil er viel getrunken und auch Drogen genommen hatte. Er könne nicht glauben, dass er diese Tat begangen und die Leiche anschließend zerstückelt haben soll, sagte er.

Der 27-jährigen Oberösterreicher, soll seinen Bekannten getötet und Teile der Leiche in einer Blumenecke einbetoniert haben.

Er habe am 9. Februar 2001 in seiner Wohnung Streit mit seinem Freund, einem 26-jährigen Antiquitätenhändler gehabt. In der Folge habe der Angeklagte den Antiquitätenhändler mit einem Beil niedergeschlagen und mit zahlreichen Messerstichen versetzt. Die Leiche wurde zerstückelt.

Die Gliedmaßen habe der Angeklagte in einer eigens dafür errichteten Blumenecke in seiner Wohnung einbetoniert, dort wurden sie nach einem Monat gefunden. Den Rumpf des Toten habe der Angeklagte am Ufer des Steyrflusses vergraben. Weil der Angeklagte einen anderen des Mordes beschuldigte hatte, wurde er in dem ersten Verfahren auch wegen Verleumdung verurteilt.

Da die Verteidigung neuerlich Nichtigkeit und Berufung anmeldete, geht der Fall voraussichtlich nochmals durch alle Instanzen.(APA)

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