Grenzgang zwischen Universität und Politik

4. Oktober 2002, 15:52
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Van der Bellens Problem mit dem Plakativen

Wien - "Wissenschafter suchen nach einer Wahrheit, die sich einem ständig entzieht. In der Politik hingegen sind Werturteile gefragt." Grünen-Chef Alexander Van der Bellen hat schon zwei Mal mit differenzierten Aussagen - bei den Abfangjägern und zuletzt beim Unigesetz - die Linie seiner Partei konterkariert. Dies wurde dann jeweils per Presseaussendung korrigiert. Was also lernt ein Wissenschafter in der Politik? "Dass der übliche intellektuelle Hochmut vor der Politik nicht angebracht ist", sagt Ökonom Van der Bellen, nachdenklich wie immer. Manchmal hege er da schon "Groll gegen Ex-Kollegen". Man müsse sich plakatives Formulieren aneignen und den Filter der Medien akzeptieren.

Gertrude Brinek, ÖVP-Abgeordnete und Erziehungswissenschafterin, sieht Universität und Politik ebenfalls als Gegenwelten: In der einen gewinne das bessere Argument, in der anderen gehe es um Mehrheitsfindung. Van der Bellen hält sie für einen "vernunftorientierten" Menschen, mit dem die "ideologischen Hardliner" seiner Partei nicht zurecht kämen.

Kurt Grünewald, Grün-Abgeordneter und Mediziner an der Innsbrucker Uniklinik, gibt in der Universitäts-Frage ein "Kuddelmuddel" seiner Partei (Gesetzesboykott Ja oder Nein) zu. Trotzdem wünscht er sich mehr "Politiker mit Tiefgang" vom Schlage Van der Bellens. Was man als Wissenschafter in der Politik brauche? "Ein dickes Fell."

Vielleicht muss man deshalb Unilehrer im Nationalrat mit der Lupe suchen. Träger des Professorentitels sind neben Van der (Martina Salomon/DER STANDARD, Printausgabe, 4.10.2002)

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    Alexander Van der Bellen

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