NATO und EU fordern Auslieferung von kroatischem General Bobetko

3. Oktober 2002, 16:29
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Robertson: Haltung Zagrebs "weder akzeptabel noch hilfreich" - Solana verweist auf Verpflichtung der Regierung

Brüssel - NATO und EU haben Kroatien aufgefordert, den mutmaßlichen Kriegsverbrecher General Janko Bobetko an das Haager Tribunal auszuliefern. Die Weigerung der Regierung in Zagreb, Bobetko zu überstellen, sei "weder akzeptabel noch hilfreich, um in der Region anhaltenden Frieden und Stabilität zu errichten", erklärte NATO-Generalsekretär George Robertson am Donnerstag in Brüssel. EU-Chefdiplomat Javier Solana betonte, es sei die Verpflichtung Kroatiens, den 83-Jährigen an das Kriegsverbrechertribunal auszuliefern.

Solana äußerte sich nach einem Treffen mit der Chefanklägerin des Tribunals, Carla del Ponte, in Brüssel. Auch Del Ponte forderte die unverzügliche Überstellung Bobetkos, sagte aber zu, dass vor einem Prozess der Gesundheitszustand des 83-Jährigen überprüft werde. Del Ponte und Solana berieten darüber, wie die EU helfen kann, die noch gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher, wie den früheren Präsidenten der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, und den bosnisch-serbischen General Radko Mladic zu fassen.

Bobetko ist der ranghöchste kroatische Offizier, dem Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. Robertson betonte, die Weigerung der Regierung könne sich negativ auf Kroatiens Wunsch auswirken, der NATO beizutreten. Der kroatische Ministerpräsident Ivica Racan hatte vergangene Woche noch erklärt, alle juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Auslieferung Bobetkos zu verhindern. Das Haager Tribunal beschuldigt den früheren Generalstabschef, für den Tod von mindestens 100 Serben verantwortlich zu sein. Die Anklage geht davon aus, dass kroatische Truppen die wehrlosen Menschen mit dem Wissen Bobetkos töteten. (APA/AP/dpa)

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    Janko Bobetko.

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