Neugeborenes als Lebensretterin

3. Oktober 2002, 16:13
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Israelisches Baby zur Rettung des kranken Bruders gezeugt

Jerusalem - Nur wenige Minuten nach seiner Geburt hat ein Neugeborenes in Israel bereits seinem Bruder das Leben gerettet. Das kleine Mädchen war unter mehreren Embryonen ihrer Eltern ausgewählt worden, damit ihr Knochenmark dem ihres Bruder entspricht, der an einer genetisch vererbten Blutkrankheit leidet. Israelische Ärzte erklärten am Donnerstag, der vierjährige Bruder sei wahrscheinlich geheilt.

Blut aus der Nabelschnur

Direkt nach der Geburt hatten Ärzte Blut aus der Nabelschnur des Mädchens entnommen und dem Bruder übertragen. Dieser litt an der Fanconi-Anämie, die zu Fehlentwicklungen der Nieren, Harnleiter und Wachstumsverzögerungen führen kann. Bei manchen betroffenen Kindern bildet sich das Knochenmark zurück. Der Bruder erhole sich erstaunlich gut und sei offenbar geheilt, sagte der Arzt Amos Toren. Ein ähnliches Verfahren wurde erst einmal weltweit erfolgreich erprobt, vor zwei Jahren im US-Staat Minnesota.

Reagenzglas-Zeugung

Ärzte hatten mehrere Embryonen der Eltern in Israel im Reagenzglas gezeugt und dann mit Hilfe der Präimplantationsdiagnostik herausgefunden, welcher Embryo über das passende Knochenmark verfügt. Dieser wurde dann der Mutter übertragen. Da die überzähligen Embryonen vernichtet werden, sorgte das Verfahren in den USA für Aufsehen. In Israel zeigten sich die Ärzte jedoch begeistert von dem Erfolg. Sie erklärten, die Eltern, deren Knochenmark nicht zu dem ihres Sohnes passte, hätten ihr Kind auf andere Weise nicht retten können. Auch hätten sie sich nicht allein auf die Natur verlassen können, weil dann die Chancen nur eins zu vier gestanden wären, ein Kind mit dem passenden Knochenmark zu bekommen. (APA/AP)

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