Barghuti-Verteidiger ziehen sich aus dem Verfahren zurück

4. Oktober 2002, 13:53
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Anwälte reagieren auf schlechte Behandlung durch Ordnungskräfte

Tel Aviv - Die Anwälte des Fatah-Führers Marwan Barghuti kündigten vor dem Bezirksgericht von Tel Aviv ihren teilweisen Rückzug aus dem Verfahren an. Bei den kommenden Anhörungen zu den gegen Barghuti gerichteten Anklagepunkten würden sie nicht anwesend sein, sagte der Leiter des Verteidigerteams, Jawad Bulos. Die Anwälte reagierten damit auf die angeblich schlechte Behandlung durch die israelischen Ordnungskräfte. Der Anwalt Khader Shkeirat warf dem Sicherheitspersonal vor, ihn geschlagen und aus dem Gerichtssaal geworfen zu haben.

"Wir werden den Israelis nicht mehr erlauben, dieses Gericht für ihre Kampagne gegen das palästinensische Volk zu missbrauchen", sagte Shkeirat. Nach eineinhalb Stunden wurde die Anhörung, bei der ursprünglich eine Verlängerung der Haft Barghutis beschlossen werden sollte, auf 21. November vertagt. Der 43-jährige Chef der Fatah im Westjordanland wollte Israel bei der Anhörung des Völkermords beschuldigen. Das Verfahren gegen Barghuti war am 5. September vor dem Bezirksgericht von Tel Aviv eröffnet worden.

Die israelische Armee hatte Barghuti Mitte April in Ramallah im Westjordanland festgenommen. Seitdem sitzt er in israelischer Haft. Die israelische Staatsanwaltschaft wirft dem mutmaßlichen Anführer der El-Aksa-Brigaden, einem bewaffneten Arm der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Yasser Arafat, Mord und Beihilfe zum Mord an 26 Menschen vor. Am 14. August wurde er unter anderem des Mordes und der "Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung" angeklagt. Im Falle eines Schuldspruchs droht ihm lebenslange Haft.(APA)

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    Der mutmaßliche Anführer der El-Aksa-Brigaden Marwan Barghuti steht in Tel Aviv vor Gericht. Ihm wird Mord und Beihilfe zum Mord an 26 Menschen vorgeworfen.

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