"Gemischtes Doppel" als Marktvorteil

31. Oktober 2002, 14:55
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Warum Mann-Frau-Paare bei gemeinsamer Unternehmensleitung oft überaus erfolgreich sind - Teil 9

Klassische "Pyramiden-Organisationen" sind der Dynamik unserer Zeit nicht mehr gewachsen: Sie reagieren hektisch und schwerfällig statt effektiv, sind streng hierarchisch aufgebaut, funktionieren durch fixe Regel- und Kontrollsysteme von oben nach unten, sind eindimensional bei der Informationsweitergabe und schwerfällig in der Reaktion auf Veränderungen. Frauen bringen die den Männer-Pyramiden fehlenden Verhaltenselemente ein: Während Männer bereit sind, auch unsinnige Regeln einzuhalten sind Frauen stärker an Inhalten und Lösungen als an Statusritualen interessiert und streben einen sinnvollen Interessensausgleich an - auch wenn dieser vorhandenen Regeln widerspricht. "Dadurch sind sie sachorientierter und flexibler bei Veränderungen", sagt Trainerin Monika Frauwallner. "Die Zusammenarbeit von Männern und Frauen in 'Gender Paaren' kann also optimale Synergie-Effekte für die Dynamik von Organisationen entstehen lassen."

Ressourcen zerstören?

Traditionell sind Männer stärker in vorhandene – über Jahrhunderte von Männern entwickelte - Organisationsstrukturen eingebunden, während Frauen eher den Blick und Zugang von außen haben. Ein Faktor, der in den Frauen-Ratgebern der achtziger Jahre als Schwachstelle der Frauen interpretiert wurde - und sich heute als wertvolle Ressource herausstellt. "Der Versuch, Frauen an männliche Verhaltensmuster der Regeltreue anzugleichen und ihr – natürlich auch irritierendes - Potenzial an Flexibilität und Innovation zu ignorieren, nimmt den Unternehmen eine Chance," sagt Frauwallner.
Neue Herausforderungen brauchen nämlich neue Blickwinkel für innovative Lösungen - das Eingebundensein in traditionelle Strukturen hingegen macht betriebsblind für die Sinnhaftigkeit von Regelsystemen und kann richtiges Handeln verhindern. "Leider lassen sich viele Frauen nach wie vor von einem "Männer-Auslaufmodell" bremsen, dass ihre speziellen Fähigkeiten nicht schätzt, weil es dem traditionellen Macher-Bild nicht entspricht. Sie versuchen dann, sich dem vorhandenen Normsystem 'über-anzupassen' statt selbstbewusst ihr spezielles Potenzial einzusetzen."

Potenziale-Synergie statt Anpassung

Schon in den Neunziger-Jahren wurde man in den USA auf das "Gender-Paar"-Phänomen aufmerksam: Mann-Frau-Paare sind bei gemeinsamer Unternehmensleitung überaus erfolgreich. Wenn beide fachlich kompetent und erfahren sind und ihre Qualifikationen sinnvoll ergänzen, dann schneiden „Gemischte Doppel“ besser ab als andere. Auf der Basis gegenseitiger Wertschätzung können sie auch ihre speziellen Gender-Kompetenzen einbringen und damit effektive Synergien entwickeln. „Wenn keineR versucht, seine oder ihre Art, an die Dinge heranzugehen, zur Norm zu machen, sondern die Andersartigkeit als Chance für Entwicklung und Konsens sieht, dann kann eine unglaublich produktive Dynamik entstehen,“ berichtet Frauwallner. Die Trainerin hat dieses Phänomen nicht nur bei Beratungsprojekten beobachtet, sondern es auch selbst erlebt: "Nach 25 Jahren Berufserfahrung in verschiedensten Modellen der Zusammenarbeit und Organisationsformen arbeite ich jetzt erfolgreich und überaus zufrieden im 'gemischten Doppel'."

Autorin Monika Frauwallner leitet bei "Impuls & Wirkung" den Consulting- und Trainingsbereich "Beziehungsprozesse"
(Organisations-, Team-, Persönlichkeits-, Führungskräfte- entwicklung und Change-Management).

Kontakt:
wirkung@impuls.at

impuls.at

  • Gemischtes Doppel kann sich auszahlen
    foto: photodisc
    Gemischtes Doppel kann sich auszahlen
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