Drei Stufen zur Steuerreform

3. Oktober 2002, 19:03
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Wirtschaftstreuhänder Klaus Hübner will mit seinem Modell bis 2006 fünf Milliarden Euro frei machen

Wien - Angesichts der mickrigen Wachstumsaussichten und in Ermangelung steuerlicher Reformkonzepte der wahlwerbenden Parteien, machte Klaus Hübner, Chef der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, am Donnerstag Vorschläge für eine dringend notwendige Steuerreform.

"Ich sehe nur die Bundesstaatsreform, denn das Wachstum für 2003 ist, sofern die Prognosen (2,2 bis 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) halten, mehr als bescheiden", sagte Hübner im Klub der Wirtschaftspublizisten. Das Geld - die erste und zweite Etappe beziffert Hübner mit je 1,3 Milliarden Euro - könne deshalb nur aus Verwaltung kommen. "Kein Konzern kann es sich leisten, auf Synergien zu verzichten." Dies gelte besonders für die Länder, die sich zusammen schließen sollten, um in der Verwaltung schlummerndeReserven zu heben.

Den Zeitplan skizzierte der Kammerchef folgendermaßen:

  • 2004 eine Lohnnebenkostensenkung über eine Beitragssenkung bei Unfallversicherung und Insolvenzentgeltsicherungsfonds.
  • 2005 müsse an der Einkommensteuer nach unten gedreht werden, um die Steuer- und Abgabenquote (derzeit 45,9 Prozent) zu senken. Dringend notwendig sei eine Verzinsung des Eigenkapitals, etwa indem fiktive Eigenkapitalzinsen abschreibbar werden. Das würde nicht nur die Außenfinanzierung begünstigen, sondern auch den Risikopolster für schwache Betriebe im Sinne von Basel-II verbessern. Die Begünstigung nicht entnommener Gewinne sei zu wenig. Auch die Körperschaftssteuer müsse von 34 auf 30 sinken.
  • Eine echte Tarifreform inklusive einer Steuersenkung bei kleinen und mittleren Einkommen soll erst 2006 kommen - "wenn die Verwaltungsreform greift", so das Junktim des Kammerchefs, der das Gesamtvolumen des Stufenplans mit fünf Milliarden Euro beziffert. Profitieren sollen Dienst- und Unternehmer je zur Hälfte, unterm Strich soll eine Steuer- und Abgabenquote von 42 bis 43 Prozent stehen. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 4.10.2002)
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    Klaus Hübner: An einer Steuerreform kann keine Regierung vorbei.

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