LIF-Spitzenkandidat Jesionek: "Ich stehe zum Spaßfaktor"

4. Oktober 2002, 12:42
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Forderung "Hubschrauber statt Abfangjäger" - Ex-Wurlitzer-Moderator will "kein Berufsjugendlicher sein"

Wien - Der liberale Spitzenkandidat Reinhard Jesionek (38) hat sein Antreten damit begründet, dass er seine liberale Haltung auch leben wolle. Die Politik "war nicht in meiner Lebensplanung", aber "ich habe vor meinem Gewissen keine andere Wahl gehabt". Er spüre, dass er von den Jungen akzeptiert werde, gleichzeitig werde er aber auch von den Älteren geschätzt, deshalb habe er sich entschieden, Verantwortung zu übernehmen, sagte Jesionek bei seiner Präsentation durch LIF-Bundessprecher Alexander Zach am Freitag in Wien. Inhaltlich ließ der Hubschrauber-Pilot mit der Forderung "Hubschrauber statt Abfangjäger" aufhorchen.

Clubbing-Fan

Jesionek bekannte sich zu seinem jugendlichen Lebensstil und dem Besuch von Clubbings. Zu dem Spaßfaktor, der ihm vorgeworfen werde, stehe er. Das sei "nicht im Wahlkampf aufgesetzt". Er sei zwar Ende 30, aber kein "Berufsjugendlicher". Der Quereinsteiger versprach auch einen neuen Stil in der Politik und forderte die Journalisten auf: "Geben Sie mir ein Ohrenreiberl, wenn ich so antworte wie die anderen Politiker", die auf Fragen nicht antworten, sondern nur ihr Programm abspulen."

Der neue LIF-Spitzenkandidat gestand zu, auch Kontakte zu anderen Parteien, namentlich "zu den Roten" gehabt zu haben. Sympathisiert habe er früher auch mit den Grünen. Dabei habe er aber immer das Gefühl gehabt, "das bin ich nicht".

Über Regierungsbeteiligung zu reden, noch zu früh ...

Zach präsentierte Jesionek als "neue liberale Ansage", als "neuen Kopf für die junge Generation in Österreich" und als "idealen Kandidaten". Zu den Liberalen sagte er "Wir sind die Mitte." Zach und Jesionek lehnten sowohl Schwarz-Blau als auch die "Gegenwende" zu Rot-Grün ebenso ab wie eine Neuauflage einer Großen Koalition. Als beste mögliche Regierungsformen nannte Jesionek "sämtliche Ampelformen, außer jene, wo blau vorkommt". Über Regierungsbeteiligungen der Liberalen zu reden sei jetzt aber noch zu früh. Die Liberalen würden auch gerne die Oppositionsrolle im Parlament spielen. Ihr Wahlziel sind acht Prozent.

Berufsheer

Die Forderung "Hubschrauber statt Abfangjäger" begründete Jesionek damit, dass diese zu 95 Prozent auch zivil zu verwenden seien und man sie auch zur Überwachung von Großveranstaltungen wie etwa dem Salzburger Wirtschaftsgipfel einsetzen könne. Und Flugzeuge in zwölf Kilometern Höhe abzufangen hält er für nicht notwendig. Das Bundesheer will Jesionek in ein Berufsheer umwandeln, für freiwillige Helfer - etwa im Katastropheneinsatz - solle es Steuerbegünstigungen geben.

Gesundheitsbereich

Im Gesundheitsbereich wollen die Liberalen die Prophylaxe fördern. Wer Vorsorge betreibt und etwa regelmäßig zum Zahnarzt geht, soll weniger zahlen. Eine Steuersenkung ist für sie "eine Frage der Motivation". Bei den Studiengebühren können sie sich vorstellen, die Mindeststudienzeit von Zahlungen zu befreien, dann könnten sie progressiv mit der Anzahl der Semester steigen.

Jesi-Copter?

Im Wahlkampf will Jesionek durch Österreich touren und dabei als Hubschrauberpilot vielleicht auch selbst fliegen. Gemäß seinem bisherigen Lebensstil will er dabei nicht eine Rede auf dem Stephansplatz halten, sondern auf verschiedenen Veranstaltungen und Clubbings die Menschen überzeugen. Plakate und Kino-Spots sollen ebenfalls zum Einsatz kommen. Auf die Hilfe liberaler Schwersterparteien in Europa zählen die Liberalen ebenso wie auf die Unterstützung durch Heide Schmidt und die Gründergeneration des LIF. Woher die eine Million Euro für den Wahlkampf kommt, wollte Zach nicht verraten. (APA)

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    Reinhard Jesionek: "Geben Sie mir ein Ohrenreiberl, wenn ich so antworte wie die anderen Politiker"

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