"Kein Reparaturbedarf bei Vorsorge"

3. Oktober 2002, 19:14
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Regierung hält trotz Kritik an ihrem Konzept fest - RLB OÖ will Paket anbieten

Wien - Trotz heftiger Kritik von Banken und Versicherungen am kürzlich beschlossenen Pensionsvorsorgemodell will die Regierung an der Grundkonzeption festhalten. "Das ist ein hervorragendes Modell, das auch in der Praxis funktioniert. Es gibt keinen Reparaturbedarf", sagte Finanzminister Karl-Heinz Grasser am Donnerstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Wirtschaftsminister Martin Bartenstein.

Wie Bartenstein glaubt Grasser, dass das mit einer Prämie von 180 Euro pro Jahr und Steuervorteilen unterstützte Vorsorgemodell "ein Renner" wird. Er habe "Signale" von ausländischen Banken und Finanzdienstleistern, die großes Interesse zeigten, so ein Produkt anzubieten.

RLB OÖ als erste am Start

Als erstes Institut in Österreich hat am Donnerstag die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich (RLB OÖ) zugesichert, ab Jänner ein solches Produkt zu verkaufen. Ludwig Scharinger, Generaldirektor der RLB OÖ, verwies auf die Entwicklung des Aktienindex an der Wiener Börse. Im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre habe es eine Performence von 9,2 Prozent gegeben. Das eingezahlte Kapital zu garantieren sei somit "kein Problem", sagte Scharinger.

Gerade die Verpflichtung, das eingezahlte Kapital und die Veranlagung desselben in 60 Prozent Aktien zu garantieren, hatten Vertreter von Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften im Gespräch mit dem STANDARD als problematisch bezeichnet. Maximal 40 Prozent der eingezahlten Gelder könnten in Aktien investiert werden.

Rückenwind für Wiener Börse

Da das Modell auf das Halten österreichischer Aktien zugeschnitten ist, verspricht sich der Kapitalmarktbeauftragte der Bundesregierung, Richard Schenz, auch Rückenwind für die Wiener Börse. Fondsgesellschaften dürfen nur an Börsen investieren, deren Gesamtkapitalisierung weniger als 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht. Das trifft laut Schenz derzeit nur auf Wien zu. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 4.10.2002)

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    "Der Markt wird dieses Produkt verlangen", Finanzminister Grasser und Wirtschaftsminister Bartenstein sind trotz scharfer Kritik an ihrem "Zukunfts- vorsorgemodell" guter Dinge.

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