Oskar Schindlers Sekretär als Zeitzeuge in Salzburg

4. Oktober 2002, 12:29
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Mietek Pemper über seinen einstigen Arbeitgeber: "Er hat Menschenleben gerettet. Das ist das Einzige, was zählt."

Salzburg - Was viele nur von der Kinoleinwand her kennen, hat Mietek Pemper hautnah erlebt: Die Geschichte von Oskar Schindler, die durch den Film "Schindlers Liste" weltbekannt wurde. Pemper, ein polnischer Jude, war von März 1943 bis September 1944 zwangsweise Stenograph des Lagerkommandanten Amon Göth in Krakau und danach bis Kriegsende Sekretär des legendären Oskar Schindler. Über seine Erlebnisse während und nach dem Zweiten Weltkrieg berichtete der 82-Jährige am Mittwochabend bei einem Vortrag in Salzburg.

Die Tat Oskar Schindlers, der 1.200 Juden für die "kriegsentscheidende" Produktion aus dem KZ-Krakau in sein Werk holte und sie so vor dem sicheren Tod bewahrte, beschrieb Pemper als "einzigartig" und "eine besonders intelligente Form des Widerstands", da sie "völlig gewaltfrei und ohne den Einsatz von Waffen" vor sich ging. Schindler hätte die Juden nicht als "Untermenschen" gesehen, sondern sich für sie eingesetzt.

"Er hat Menschenleben gerettet. Das ist das Einzige, was zählt, das Einzige, was bleibt."

Und noch etwas wollte Pemper an Schindlers Beispiel vermitteln: Schindler sei durchaus nicht in allen Lebenslagen ein Vorbild gewesen, aber: "Er hat Menschenleben gerettet. Das ist das Einzige, was zählt, das Einzige, was bleibt." Nach Kriegsende hätten sich alle jüdischen Fabrikarbeiter dafür eingesetzt, dass Schindler fliehen konnte, so der Zeitzeuge. Amon Göth dagegen beschrieb der 82-Jährige als gewalttätigen Lagerkommandanten, der "nach Lust und Laune tötete und folterte" und sich als "Kaiser von Krakau" bezeichnen ließ. Nach dem Krieg sagte der Vortragende als Zeuge im Prozess gegen Göth aus.

Bei "Schindlers Liste" schrieb Pemper im doppelten Sinne mit: Zuerst führte er als Sekretär Schindlers die Korrespondenz mit den Deutschen. Jahrzehnte später stand er dem Regisseur Spielberg mit Rat und Tat zur Seite. Dass der Film nicht in jedem Detail mit der Wirklichkeit übereinstimmte, war für den 82-Jährigen nicht weiter schlimm.

"Schuldig ist nur, wer Schuld persönlich auf sich genommen hat"

Seine äußerst differenzierte Meinung über die Ereignisse und Menschen der NS-Zeit teilte der Zeitzeuge gegen Ende des beeindruckenden Vortrags mit: "Schuldig ist nur, wer Schuld persönlich auf sich genommen hat." So mancher NS-Anhänger hätte sich für die Juden eingesetzt, die auch selbst weit mehr Widerstand geleistet hätten als von vielen Menschen angenommen. Trotzdem ist Pemper überzeugt: "Wenn der Krieg noch länger gedauert hätte, wären wir alle umgekommen." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Auf einem Stapel Dokumente und Bilder aus Oskar Schindlers Besitz liegt ein Foto von Schindler.

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