Eine Milliarde Menschen lebt in Slums

3. Oktober 2002, 12:31
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Schlechte Lebensbedingungen auf dem Land treiben immer mehr Menschen in die Städte

Wien - Auf Grund des starken Bevölkerungswachstums weltweit ist auch der Anteil der Stadtbevölkerung in den Entwicklungsländern stark angestiegen. Die Hälfte der Menschheit wohnt laut dem Informationsdienst der Vereinten Nationen (UNIS) mittlerweile in urbanen Gebieten, eine Milliarde davon ohne ausreichende Grundversorgung in Slums und illegal errichteten Elendsvierteln. Zum Welt-Habitat-Tag am 7. Oktober rief das Programm der Vereinten Nationen für Menschliche Siedlungen (UN Habitat) zur Zusammenarbeit der Städte auf.

Grund für die starke Stadtmigration sind schlechte Lebensbedingungen auf dem Land, so die UNO. Für gesellschaftliche Randgruppen sind jedoch die wenigsten Städte gerüstet - die Vereinten Nationen wollen die Entwicklung von Lösungsszenarien in diesem Bereich begünstigen.

Strategien gegen Missstände

Hauptthemen im UN Habitat-Programm sind Strategien gegen Armut, Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, mangelnde Grundversorgung und gegen den sozialen Ausschluss von Frauen, Kindern und Randgruppen. Städtepartnerschaften, die 1913 erfolgreich eingeführt wurden, sollen dabei helfen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer Internationalisierung und weiteren Vertiefung. Diese Partnerschaften, die zunächst dem Austausch unterschiedlicher städtischer Erfahrungen und Vorgehensweisen dienten, stellen heute ein ausgedehntes Netzwerk für Sicherheit, Umwelt und Armut dar.

Bei der Kooperation müssen mögliche Hürden wie Sprachbarrieren, Strukturunterschiede, die geographische Lage und das sozio-kulturelle Umfeld berücksichtigt und Ziele vorab definiert werden. Nach der Annäherung sollten Know-How und Technologietransfers forciert werden, besonders was Entwicklungs- und Schwellenländer betrifft. Durch den Trend hin zu Demokratisierung und Dezentralisierung arbeiten auch Behörden immer stärker zusammen.

Städtepartnerschaften

In der Europäischen Union werden Städtepartnerschaften finanziert, um für abgelegene Gebiete und kleine Dörfer sowie Stadtgebiete in EU-Beitrittsländern Programme zu erstellen. Das Österreichische Zentrum für Verwaltungsforschung sieht größere Entfernungen zwischen den Partnergemeinden als Hindernis für intensivere Kontakte und den erwünschten weiteren Ausbau der Partnerschaft. Ein Großteil der erfolgreichen Partnerschaften sei regional oder zumindest in gleichen Kulturkreisen. Von den 719 Partnerschaften österreichischer Gemeinden reichen nur 23 über die EU, die USA oder Japan hinaus.

Die Stadt Linz (mit Städtepartnerschaften in der Volksrepublik China, der Republik Korea, Mexiko, Nikaragua und der Ukraine) und die Stadt Salzburg (Nikaragua, Tansania und Litauen) zeigen in Österreich das größte Engagement in Entwicklungs- und Übergangsländern. Die Bundeshauptstadt Wien zieht generell Netzwerke direkten Partnerschaften vor, beispielsweise das Netzwerk der Hauptstädte, der großen Städte Europas sowie der Hauptstädte Mittel- und Osteuropas zusammen mit Prag, Bratislava und Budapest. (APA)

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